Halbjahres-Bilanz

Pleiten 2026 – jetzt wird das volle Ausmaß sichtbar

Eine Auswertung der AKV-Gläubigerschützer zeigt: Immer weniger Pleite-Firmen schaffen es, sich mit einem Sanierungsplan zu retten.
Team Wirtschaft
11.07.2026, 14:03
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Nach drei Jahren mit Pleitenrekord gibt es zumindest bei den Firmenpleiten eine kleine Verschnaufpause. Das zeigt die aktuelle Halbjahresstatistik des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV). Bei den Privatinsolvenzen läuft es aber genau andersherum – hier geht der Trend seit Jahren erstmals wieder nach oben.

Firmenpleiten: leichter Rückgang, großes Aber

2.005 Firmeninsolvenzen wurden im ersten Halbjahr 2026 in Österreich eröffnet – ein Minus von 7,7 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025. Umgerechnet heißt das: Jede Woche mussten 77 Unternehmen in Österreich Insolvenz anmelden.

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Auffällig ist der Blick auf die Bundesländer. Fast überall sanken die Zahlen, am stärksten in Tirol mit minus 29,3 Prozent. Nur zwei Bundesländer schwimmen gegen den Strom: In Vorarlberg stieg die Zahl der Firmenpleiten um 51,1 Prozent, in der Steiermark um 12,8 Prozent.

Der Haken an der guten Nachricht: Parallel dazu wurden deutlich mehr Insolvenzanträge abgewiesen, weil selbst die 4.000 Euro fehlten, um ein Verfahren eröffnen zu können – ein Plus von 15,4 Prozent auf 1.654 solcher Fälle. Zählt man diese "Pleiten ohne Verfahren" dazu, ist die Gesamtzahl der Insolvenzen sogar leicht gestiegen, nämlich um 1,5 Prozent auf 3.659.

Größte Pleite: Privatstiftung mit 1,7 Milliarden Euro Schulden

Mit Abstand die größte Insolvenz des Halbjahres ist jene der Laura Privatstiftung in Innsbruck, mit Passiva von 1,7 Milliarden Euro. Insgesamt sind die Gesamtpassiva aber deutlich gesunken – von 7,7 auf 4,64 Milliarden Euro, ein Rückgang von 39,5 Prozent. Der Grund: In den vergangenen drei Jahren waren es vor allem zusammengebrochene Immobilienkonzerne, die die Passiva in die Höhe trieben, bis zu 22,3 Milliarden Euro im Jahr 2024 allein. Diese Welle an Immobilienpleiten hat sich heuer etwas beruhigt.

7.951 Arbeitsplätze waren im ersten Halbjahr durch Insolvenzen gefährdet, ein Plus von 5,1 Prozent. Am stärksten betroffen: die Lederfabrik Wollsdorf Leder Schmidt mit 361 Mitarbeitern und die Eitek GmbH mit 319.

Nur noch 21 Prozent schaffen Rettung über Sanierungsplan

Sorgen bereitet dem AKV ein anderer Trend: Immer weniger insolvente Unternehmen schaffen es, sich mit einem Sanierungsplan zu retten. Der Anteil sank von 26 auf 21 Prozent – "um ein Fünftel", wie es in der Statistik heißt. Im Gegenzug endeten deutlich mehr Verfahren mit einer Nullquote, in der Gläubiger komplett leer ausgingen: 33,0 statt wie zuvor 27,5 Prozent.

Die meisten Pleiten gab es im Baugewerbe (471), vor Handel (460) und Gastronomie (368). Die höchsten Schulden sammelte allerdings die Finanzbranche an, nämlich 1,92 Milliarden Euro.

Für den Rest des Jahres rechnet der AKV mit einer leichten Erholung bei den Firmenpleiten – auf rund 4.000 Verfahren bis Jahresende. Inklusive der abgewiesenen Anträge dürften es aber trotzdem mehr als 7.300 Gesamtinsolvenzen werden.

Privatinsolvenzen: der Trend dreht sich

Während sich bei den Firmen eine Entspannung andeutet, ist es bei den Privatpersonen umgekehrt. 4.718 Privatinsolvenzen wurden im ersten Halbjahr eröffnet, ein Plus von 4,8 Prozent. Damit nähert sich Österreich wieder den Zahlen von vor der Corona-Pandemie an. Wöchentlich betraf das 181 Menschen.

Auch hier gibt es regionale Unterschiede: Nur in Kärnten, Tirol und Wien gingen die Zahlen leicht zurück, am stärksten stiegen sie in Oberösterreich mit plus 16,3 Prozent.

Ein Grund für den Anstieg liegt laut AKV in den Immobilienpleiten der vergangenen Jahre: Mehrere ehemalige Gesellschafter und Geschäftsführer insolvent gewordener Immobilienfirmen meldeten heuer selbst Privatinsolvenz an, mit Verbindlichkeiten von zusammen rund 100 Millionen Euro. Das trieb auch die Durchschnittsverschuldung nach oben, auf 176.000 Euro pro Person – deutlich mehr als die 153.400 Euro im Vorjahreszeitraum.

Männer sammeln deutlich mehr Schulden an

Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Männer waren im Schnitt mit 219.700 Euro verschuldet, Frauen mit 101.000 Euro. Von allen Privatinsolvenzen entfielen 63,25 Prozent auf Männer, 36,75 Prozent auf Frauen. Am häufigsten betroffen war die Altersgruppe der 40- bis 59-Jährigen.

Immerhin: Zwei Drittel der abgeschlossenen Privatkonkurse, 66,5 Prozent, endeten mit einem Zahlungsplan, bei dem sich Schuldner und Gläubiger auf eine Rückzahlung einigen konnten.

Für das Gesamtjahr rechnet der AKV mit mehr als 9.000 eröffneten Privatinsolvenzen. Ein befürchteter Ansturm auf die Gerichte wegen einer möglichen Rückkehr zum fünfjährigen Abschöpfungsverfahren ab 17. Juli ist laut AKV bislang ausgeblieben.

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