Kammer-Zahlen enthüllt

PR und Beratung: Millionen-Ausgaben unter Walter Ruck

Die PR- und Marketingausgaben der Wirtschaftskammer Wien stiegen unter Ruck deutlich an. Interne Unterlagen zeigen nun, wohin Millionen flossen.
Newsdesk Heute
08.10.2026, 06:50
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Die Ausgaben der Wirtschaftskammer Wien für PR und Marketing sind in der Ära von Ex-Präsident Walter Ruck deutlich gestiegen. Interne Unterlagen, die der "Krone" vorliegen, geben nun Einblick in Millionen-Aufträge, Agenturhonorare und einzelne Werbemaßnahmen.

Ruck stand zwölf Jahre lang an der Spitze der Wiener Wirtschaftskammer und setzte dabei stark auf Marketing und Werbung. Ende Juli trat er nach Kritik rund um Postenvergaben und Aussagen in einer Männerrunde zurück.

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14,1 Millionen Euro über Fußi-Agentur

Zu den Werbeausgaben gehörten laut den Unterlagen auch Inserate im Genussmagazin Falstaff des PR-Beraters Wolfgang Rosam. In den Jahren 2023 und 2024 wurden dafür jeweils 85.000 Euro per Direktvergabe ausgegeben.

Deutlich größere Summen flossen in Marketing- und Kommunikationskampagnen. Besonders fällt dabei die Agentur Mindworker von Rudolf Fußi auf: Zwischen 2016 und 2025 liefen über sie Aufwendungen von insgesamt gut 14,1 Millionen Euro.

Die Agentur erklärte die Summe damit, dass sie über Jahre auch den Medieneinkauf für die Kammer abgewickelt habe. Ein großer Teil davon sei lediglich ein Durchlaufposten gewesen, zudem seien darin Inserate und Werbespots enthalten gewesen. Daran habe die Agentur nichts verdient.

4,1 Millionen Euro an Honoraren

Für Beratungs- und Kommunikationsleistungen stellte Mindworker zwischen 2016 und 2025 laut den Unterlagen insgesamt 4,1 Millionen Euro an Honoraren in Rechnung.

Dabei stiegen die monatlichen Beträge über die Jahre. 2018 wurden für die Beratung im Bereich Social Media monatlich 31.788 Euro verrechnet. 2020 waren es bereits 37.375 Euro für "pauschale Kommunikationsdienstleistungen". In den Jahren 2023 und 2024 stieg der Betrag auf monatlich 50.643,60 Euro.

Ein Teil der Leistungen betraf auch die Kommunikation rund um den damaligen Präsidenten Ruck.

Tausende Euro für Social Media und Beratung

Aus den Abrechnungen für 2023 geht hervor, welche Leistungen in den monatlichen Pauschalen enthalten waren. So wurden 5.044 Euro netto pro Monat für "Social Media Betreuung inkludierend den Facebook-Account des Präsidenten" verrechnet.

Für "Beratung Präsident (pro Monat 20 Stunden)" fielen weitere 3.880 Euro an. Zusätzlich wurden monatlich 2.716 Euro für "Bereitschaft an Wochenenden/Feiertagen" durch den Geschäftsführer der Agentur verrechnet.

Die Wirtschaftskammer Wien begründet den gestiegenen Aufwand mit den zahlreichen Krisen der vergangenen Jahre. Die Wirtschaft sei seit 2015 "von mehreren Krisen stark gebeutelt" worden. "Dies erforderte einen erhöhten Kommunikationsbedarf auf allen Ebenen – vom Präsidium über die Sparten bis zu den Fachgruppen –, um die Anliegen und Interessen unserer Mitglieder breitenwirksam zu positionieren."

Fußi verteidigt Ausgaben

Agenturchef Rudolf Fußi verweist darauf, dass Mindworker zwei europaweite Ausschreibungen gewonnen habe. "Wir waren bis zu zehn Mitarbeiter im Projekt, das gewachsen ist." Zudem betont er: "Unsere Stundensätze lagen deutlich unter dem branchenüblichen Schnitt."

Die entsprechenden Rahmenverträge liefen 2025 aus. Insgesamt vervielfachten sich die PR-Ausgaben der Wiener Wirtschaftskammer während Rucks Amtszeit laut Bericht und lagen zuletzt bei knapp einer Million Euro pro Jahr.

102 Millionen Euro an Aufträgen

Auch das gesamte Vergabevolumen fällt hoch aus. Zwischen September 2019 und September 2026 schrieb die Wirtschaftskammer Wien laut den Unterlagen 318 Aufträge mit einem Gesamtvolumen von 102 Millionen Euro aus. Die größten Bereiche waren Marketing und Druck.

Zum Vergleich: Die Wirtschaftskammer Vorarlberg vergab im selben Zeitraum 19 Aufträge im Umfang von 5,7 Millionen Euro.

Gerald Zmuegg, Obmann der Freiheitlichen Wirtschaft Wien und Vorsitzender des Kontrollausschusses, kritisiert vor allem den Umfang der Marketingaufträge: "Die Kammer neigt dazu, ständig Leistungen zu bewerben, die von Unternehmern so nicht wahrgenommen werden. Stichwort: Die Lohnnebenkosten-Senkung von gerade mal einem Prozent."

Kammer kündigt Kurswechsel an

Künftig will die Wirtschaftskammer Wien bei Vergaben stärker auf projektbezogene Ausschreibungen setzen. Die neue Präsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits kündigte außerdem an, Leistungen wieder "vorrangig intern von den WKW-Experten abgewickelt" werden sollen.

Die Kammer erklärt dazu: "Außerdem sind ab sofort bei allen Vergabeprozessen Transparenz, Wirtschaftlichkeit und Kontrolle wieder oberstes Gebot."

Zu den jüngsten Ausgaben gehören auch 75.000 Euro für Bezirksgespräche, die von der Agentur von Gabriel Karas organisiert werden.

Die Kammer begründet das Projekt so: "Diese Gespräche wurden von der neuen Präsidentin ins Leben gerufen, um die Unternehmer in allen 23 Bezirken zu besuchen und wieder näher an den Anliegen und täglichen Herausforderungen der Wiener Betriebe zu sein."

red,08.10.2026, 06:50
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