Noch sitzt Wladimir Putin fest im Sattel. Doch in Peking dürfte man längst an die Zeit nach ihm denken.
Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" baut Chinas Staatschef Xi Jinping gezielt Beziehungen zu russischen Politikern, Beamten und einflussreichen Persönlichkeiten auf, die Russland eines Tages nach Putin prägen könnten.
Der Schritt zeigt, wie stark sich das Machtverhältnis zwischen den beiden Staaten verändert hat. Als Xi 2013 erstmals nach Moskau reiste, galt Putin noch als klarer Seniorpartner. Laut dem Bericht soll Xi den russischen Präsidenten damals sogar als persönliches Vorbild bezeichnet haben.
Der Ukraine-Krieg und die westlichen Sanktionen haben Russland jedoch wirtschaftlich immer stärker von China abhängig gemacht. Peking kauft große Mengen russischen Öls, liefert wichtige Industriegüter und unterstützt damit indirekt die russische Wirtschaft.
Besonders deutlich wurde Chinas neue Stärke beim Besuch Putins im Mai. Der Kremlchef wollte Xi für das Pipeline-Projekt "Power of Siberia 2" gewinnen. Mit der Leitung soll mehr russisches Gas nach China fließen und ein Teil der wegbrechenden Exporte nach Europa ersetzt werden.
Doch Xi soll dem Projekt nur unter Bedingungen zugestimmt haben, die für Moskau kaum akzeptabel gewesen wären. China wollte das Gas demnach praktisch zum russischen Inlandspreis beziehen. Am Ende kam keine Einigung zustande.
Auch die Handelszahlen zeigen das neue Kräfteverhältnis. Rund 40 Prozent des russischen Außenhandels entfallen mittlerweile auf China. Umgekehrt macht Russland weniger als vier Prozent des gesamten chinesischen Außenhandels aus. Damit ist klar: Moskau ist auf Peking deutlich stärker angewiesen als umgekehrt.
Laut dem "Wall Street Journal" will Xi den chinesischen Einfluss in Russland deshalb langfristig absichern - unabhängig davon, wer eines Tages auf Putin im Kreml folgt. Noch sitzt Putin fest im Sattel. Doch in Peking scheint man sich bereits auf die Zeit danach vorzubereiten.