Arbeiter urinierte auf Tiere

Schweine-Skandal: Betrieb erhielt Millionen-Förderung

In einem Schweinestall in NÖ sollen Tiere grausam gequält worden sein. Jener Betrieb dementiert, während Behörden schon an Maßnahmen dagegen arbeiten.
Victoria Carina  Frühwirth
20.11.2025, 14:35
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Nach der Aufdeckung mutmaßlicher Tierquälerei in einem Großbetrieb im Bezirk Hollabrunn spitzt sich der Fall weiter zu. Veröffentlichte Fotos und Videos des Vereins Gegen Tierfabriken (VGT) zeigen Mitarbeiter des Gut Hardeggs, die Tiere schlagen und auf den Boden werfen, mit Elektroschockern quälen und sogar auf die Schweine urinieren!

Während der Betreiber weiterhin öffentlich bezweifelt, dass die veröffentlichten Videos in seiner Anlage entstanden sind, haben die Behörden ihre umfangreichen Kontrollen abgeschlossen – und arbeiten inzwischen an konkreten Maßnahmen für den Betrieb.

Kontrolle vor einigen Stunden abgeschlossen

Wie die Bezirkshauptmannschaft Hollabrunn bestätigte, wurde die Prüfung am Mittwochabend abgeschlossen. Am Donnerstag wurden die Ergebnisse bewertet, nun werden "verschiedene Maßnahmen ausgearbeitet, die dem Betrieb behördlich vorgeschrieben werden", heißt es seitens der Behörde.

Mittlerweile bereitet die Bezirkshauptmannschaft Hollabrunn Anzeigen gegen jene Mitarbeitende vor, die in den veröffentlichten Videos erkennbar sind. Die Staatsanwaltschaft Korneuburg wird mit dem Fall befasst. Parallel prüft die Agrarmarkt Austria (AMA) das vergebene Gütesiegel des Betriebs. Obwohl der Betrieb schon lange eine AMA-Zertifizierung genießt, gelte eine Aberkennung jetzt als denkbar – so die AMA.

Betriebsnummer, Ohrmarken – "Alles eindeutig"

Der Verein gegen Tierfabriken hatte die Vorwürfe mithilfe zahlreicher Dokumente und Videoaufnahmen öffentlich gemacht. Nach Angaben des Vereins seien die LFBIS-Nummer 1138481 (Registrierungsnummer) auf Ohrmarken, Ferkeln und Schlachtstempeln sichtbar und die "Sauenkarten" mit Betriebsnamen dokumentiert. Auch bauliche Merkmale, Silos und Markierungen mit Drohnenaufnahmen seien abgeglichen worden. Der Betreiber bestreitet weiterhin, dass die Videos in seinem Betrieb entstanden sind.

Betrieb erzielt massive Förderungen

Für Diskussionen sorgen jetzt auch die hohen öffentlichen Zuschüsse, die der Betrieb laut VGT erhalten haben soll. Der Verein verweist auf Daten der Transparenzdatenbank, wonach der Betrieb jährlich fast eine Million Euro an Fördermitteln lukriert habe. Besonders brisant: Im Jahr 2023 soll der Betreiber zusätzlich ein "Goldenes Ehrenzeichen des Landes NÖ" erhalten haben. Dass ein derart hoch subventionierter Betrieb nun im Zentrum schwerer Vorwürfe steht, heizt die Debatte über die Vergabe und Kontrolle von Fördergeldern weiter an.

Politische Reaktionen

Die politischen Reaktionen auf den Skandal fallen deutlich aus: Mehrere Parteien sprechen von einem "Systemversagen" in der Kontrolle großer Tierhaltungsbetriebe. Vor allem die Frage, wie trotz AMA- und Bezirkskontrollen solche Zustände möglich gewesen sein sollen, sorgt im Landtag für Debatten. Vertreter der Opposition verlangen eine lückenlose Aufklärung und eine Neubewertung der Kontrollmechanismen.

Auch die Landesregierung meldete sich zu Wort. Die niederösterreichische FP-Landesrätin Susanne Rosenkranz erklärte, dass festgestellte Missstände "rigoros abzustellen" seien. Die Grünen fordern zeitgleich weitreichendere strukturelle Maßnahmen, darunter strengere Kontrollen und eine Überprüfung der Vollspaltenbodenhaltung. Beide Parteien betonen, dass es nun rasch verbindliche Konsequenzen brauche.

Separater Fall: Prozess wegen Tierquälerei in der Steiermark

In einer weiteren Causa um Tierquälerei in einem steirischen Betrieb kommt es bereits zu juristischen Konsequenzen: Laut aktuellster VGT-Aussendung findet am 21. November am Landesgericht Graz der zweite Prozesstag in einem steirischen Tierquälerei-Verfahren statt.

Die Behörde hatte dortige Missstände bereits im April "vollumfänglich bestätigt". Jetzt sollen Amtstierärzte und der Bestandstierarzt befragt werden – ein Urteil ist möglich. Vor Beginn ist eine Tierschutz-Demo angekündigt.

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