Immer noch ist es für Eltern schwierig, in den langen Sommerferien eine verlässliche Betreuung ihrer Kinder zu organisieren. Der Grund dafür sind die nicht immer familienfreundlichen Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen. Spätestens seit dem unglücklichen Sager von Bundeskanzler Stocker hat das Thema neue Brisanz erlangt.
Die Familiensprecherin der Grünen, Barbara Neßler, hatte bereits im Vorjahr aufgezeigt, wie entscheidend der Wohnort für die Sommerbetreuung von Kindern in Österreich ist ("Heute" berichtete).
Doch auch dieses Jahr zeigt sich ein ähnliches Bild. Besonders im Westen Österreichs ist die institutionalisierte Sommerbetreuung – also Kindergärten, Kindertagesheime und Horte – nach wie vor unzureichend. Es fehlt in vielen Regionen an flächendeckenden, verlässlichen Angeboten.
Für Familien bedeutet das konkret, dass zum einen ein Vollzeitjob kaum möglich ist und sie sich zum anderen auch Urlaub nehmen müssen. Denn Feriencamps oder andere private Betreuungseinrichtungen sind für viele Familien oft nicht leistbar. "Statt einer verlässlichen öffentlichen Betreuung gilt in vielen Gemeinden noch immer das Prinzip: 'Die Mama wird’s schon richten'", kritisiert Neßler im Gespräch mit "Heute". Nachsatz: "Das ist keine Familienpolitik."
Die wenig zufriedenstellende Situation zeigt auch ein Blick in die Kindertagesheimstatistik 2024/25. Die weist ein massives West-Ost-Gefälle bei den Schließzeiten im Sommer auf. So liegt der Osten (Burgenland, Oberösterreich, Niederösterreich und Wien) bei den Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen, die mindestens 47 Wochen im Jahr geöffnet haben, über der 90-Prozent-Marke. Im Westen stürzen die Quoten drastisch ab. Tirol kommt auf 70 Prozent, Salzburg auf rund 60 und Kärnten überhaupt nur auf 58 Prozent.
Besonders dramatisch wird es, wenn man sich die Öffnungszeiten der Horte gesondert ansieht: Hier sind die Schlusslichter Vorarlberg mit null (!) Prozent, Niederösterreich mit 32 Prozent und Salzburg mit rund 42 Prozent.
So bleiben Kindertagesheime im Österreich-Schnitt an 9,3 Tagen im Sommer geschlossen. Bei Krippen, Kindergärten und altersgemischten Einrichtungen sind es 8,8 Tage, bei Horten sogar 14. Negatives Highlight: in Vorarlberg bleiben Horte während des Sommers satte 45 Tage geschlossen. In Salzburg sind es immer noch 19,3 Tage.
Musterschüler ist übrigens das Burgenland. Die Kindertagesheime im östlichsten Bundesland bleiben im Schnitt nur an 0,5 Sommertagen geschlossen. Bei Kindergärten sind es überhaupt nur 0,4 Tage und bei Horten 3,1 Tage.
Neßlers Resümee: Das System lasse die Eltern im Stich. "Sie versuchen sich mit komplizierten Urlaubskonstruktionen oder teuren Feriencamps über die neun Wochen Sommerferien zu retten. Am Ende bleibt die Betreuungslücke aber meist wieder bei den Müttern hängen."
"Es braucht eine verlässliche Sommerbetreuung. Sonst bleibt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nur ein leeres Versprechen – vor allem für Mütter", sagt die grüne Familiensprecherin.