Der Ärzte-Protest gegen das von der Regierung am Mittwoch auf den Weg gebrachte Impfen in Apotheken ließ nicht lange auf sich warten. Die Österreichische Ärztekammer (ÖAK) geht voll auf Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) los.
"Impfen in Apotheken ist Themenverfehlung, Frau Ministerin", poltert Ärztekammerpräsident Johannes Steinhart. Statt neue Impfstellen zu schaffen, solle die Ministerin lieber dafür sorgen, dass genügend Impfstoffe vorhanden sind.
"Es ist ganz offensichtlich, dass hier wirtschaftliche Überlegungen der Apotheken im Vordergrund stehen", empört sich Steinhart. Eine echte gesundheitspolitische Maßnahme sei das aus seiner Sicht nicht.
Besonders sauer stößt den Ärzten auf, dass es ausgerechnet bei der Versorgung mit Impfstoffen hapert. So seien die Influenza-Impfstoffe heuer verspätet in den Ordinationen angekommen.
„Impfmöglichkeiten gibt es genug, aber wir erhalten nicht zeitnah die Impfstoffe.“Edgar Wutscher Ärztekammer-Vizepräsident und Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte
"In den Ordinationen herrscht Frust sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten", kritisiert Ärztekammer-Vizepräsident Edgar Wutscher. Sein Vorwurf: "Impfmöglichkeiten gibt es genug, aber wir erhalten nicht zeitnah die Impfstoffe."
Statt zusätzliche Impfstellen zu schaffen, fordert die Ärztekammer bessere Lieferungen und ein Erinnerungssystem für Auffrischungsimpfungen, etwa per SMS oder über den elektronischen Impfpass.
Auch bei der Sicherheit sieht die Ärztekammer offene Fragen. Steinhart verweist auf strenge Hygienevorschriften, eigene Impfräume und die medizinische Nachbetreuung. "Wer leistet die medizinische Hilfe in den Apotheken im Ernstfall?", fragt er. Auch die Untersuchung vor einer Impfung müsse weiterhin gewährleistet sein.
„Impfen in Apotheken ist Themenverfehlung, Frau Ministerin!“Johannes Steinhart Präsident der Österreichischen Ärztekammer
Die Regierungspläne schreiben allerdings durchaus vor, dass nur speziell ausgebildete Apotheker mit entsprechender Prüfung impfen dürfen. Eigene Räumlichkeiten und Sicherheitsstandards sind ebenfalls vorgesehen.
Die ersten Impfungen in Apotheken sollen im Frühjahr 2027 möglich sein.
Die Ärztekammer fordert stattdessen mehr Maßnahmen zur Steigerung der Impfquoten. Besonders bei Masern müsse Österreich wieder das WHO-Ziel von 95 Prozent erreichen. Auch ein Ausbau des Eltern-Kind-Passes bis zum 18. Lebensjahr wird vorgeschlagen.
Steinhart rechnet abschließend mit der Gesundheitsministerin ab: "Statt sich um diese Ziele oder um Maßnahmen zur Steigerung der Impfbereitschaft zu kümmern, widmet sich die Gesundheitsministerin der Frage, wie Apotheken FSME impfen – das ist eine glatte Themenverfehlung."
Und: "Es ist zu kurz gedacht, dass durch Impfen in Apotheken die Impfraten gesteigert werden, zumal beispielsweise die FSME-Impfung eine der beliebtesten Impfungen in Österreich ist", erklärt der Ärztechef.