Den Impfstoff zwar in der Apotheke kaufen, für den Stich aber extra einen Termin beim Arzt ausmachen – damit soll bald Schluss sein. Die Bundesregierung bringt die gesetzlichen Grundlagen für Impfungen in Apotheken auf den Weg. Die entsprechenden Regelungen gehen jetzt in Begutachtung.
Im Frühjahr 2027, rechtzeitig zum Beginn der Zeckensaison, sollen die ersten Apotheker zur Spritze greifen dürfen. Angeboten werden sollen Impfungen gegen FSME, Hepatitis B sowie Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und die entsprechende Kombination mit Polio.
Allerdings gibt es klare Regeln: In der Apotheke dürfen nur Personen ab 14 Jahren geimpft werden. Schwangere sowie Menschen mit Verdacht auf eine akute Erkrankung oder einem erhöhten Impfrisiko sind ausgenommen.
Außerdem darf nicht jeder Apotheker einfach zur Spritze greifen. Vorgeschrieben sind eine spezielle Ausbildung samt Prüfung, praktische Übungen und regelmäßige Auffrischungen spätestens alle vier Jahre.
Geimpft wird in einem abgetrennten Bereich, die Impfungen müssen dokumentiert werden. Vorgesehen ist auch die Anbindung an den elektronischen Impfpass. Eine öffentliche Liste der entsprechend ausgebildeten Apothekerinnen und Apotheker wird von der Apothekerkammer geführt.
„Unser Ziel ist, den Impfschutz näher zu den Menschen zu bringen.“Korinna Schumann Gesundheitsministerin (SPÖ)
Das Impfen in Apotheken soll Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen, sondern eine zusätzliche Möglichkeit schaffen, um mehr Menschen zu erreichen.
Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) sieht darin einen wichtigen Schritt für die Vorsorge: "Wir müssen die Menschen besser erreichen – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern indem wir den Zugang erleichtern. Mit dem Impfen in Apotheken bauen wir organisatorische Hürden ab und nutzen vorhandene Kompetenzen in unserem Gesundheitssystem."
Auch Neos-Staatssekretär Sepp Schellhorn will unnötige Wege streichen: "Rund jede siebente Eingabe bei unserer Servicestelle für Entbürokratisierung betrifft das Gesundheitswesen – darunter auch der wiederkehrende Vorschlag, Impfungen in Apotheken zu ermöglichen."
Ziel: "Die Menschen sollen sich um ihre Gesundheit kümmern können und nicht vor lauter Bürokratie krank werden", so Schellhorn.
"Mit dem Impfen in Apotheken erleichtern wir den Alltag für die Menschen", betonte ÖVP-Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl.
"In einem nächsten Schritt reduzieren wir die Aufzeichnungspflichten für das in Apotheken verwendete Ethanol. Damit reduzieren wir den Verwaltungsaufwand für die Apothekerinnen und Apotheker deutlich", so Eibinger-Miedl weiter.
Widerstand ist von der Ärztekammer zu erwarten, die sich bereits mehrfach stark gegen das Impfen in Apotheken ausgesprochen hatte. "Impfungen sind mehr als nur ein Stich", erklärte Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer.