Am Samstag droht rund um den Brenner ein Verkehrschaos historischen Ausmaßes: Wegen einer Demonstration wird die Brenner Autobahn stundenlang komplett gesperrt. Behörden rechnen mit massiven Staus und Einschränkungen für mehr als 30.000 Fahrzeuge.
Die Protestaktion findet am 30. Mai zwischen 11 und 19 Uhr auf der Brenner Autobahn (A13) statt. Gesperrt wird die Strecke zwischen der Mautstelle Schönberg und dem Brennerpass. Gleichzeitig wird der gesamte Brennerkorridor für den Durchzugsverkehr dichtgemacht.
Hintergrund der Demonstration ist eine Versammlung, die vom Bürgermeister von Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger, angemeldet wurde. Mit der Aktion soll auf die enorme Verkehrsbelastung und deren Folgen für die Bevölkerung im Wipptal aufmerksam gemacht werden. Nachdem die Demonstration zweimal untersagt worden war, gab das Tiroler Landesverwaltungsgericht einer Beschwerde statt und genehmigte die Veranstaltung.
Neben der Autobahn werden auch mehrere wichtige Ausweichrouten gesperrt. Betroffen sind die Brennerstraße (B182), die Ellbögener Straße (L38) und die Stubaitalstraße (B183). Letztere darf nur noch für Ziel- und Quellverkehr genutzt werden. Damit soll verhindert werden, dass Autofahrer die Sperren über Nebenstraßen umfahren.
Auch auf italienischer Seite kommt es zu Einschränkungen. Ab 10.30 Uhr wird die Nordspur der Brennerautobahn bei Sterzing gesperrt. Sollte sich der Verkehr zurückstauen, werden Fahrzeuge schrittweise bereits weiter südlich – etwa bei Vahrn, Klausen oder Bozen – von der Autobahn abgeleitet.
Besonders betroffen sind Urlauber und Transit-Reisende auf dem Weg nach Italien oder zurück Richtung Norden. Während der Sperre dürfen weder Autos, Wohnmobile, Busse noch Motorräder den Brenner passieren. Zusätzlich gilt ab 9 Uhr ein Fahrverbot für Transit-Lkw über 7,5 Tonnen.
Eine Umfahrung über lokale Straßen ist laut Behörden nicht möglich. Zahlreiche Polizeikräfte werden im Wipp- und Stubaital kontrollieren, wer tatsächlich Ziel- oder Quellverkehr ist. Wer etwa ein Hotel im Wipptal gebucht hat, Verwandte besucht oder beruflich in die Region muss, darf passieren – allerdings nur mit entsprechendem Nachweis wie Buchungsbestätigung, Arbeitgeberbestätigung oder Lieferpapieren.
Für Radfahrer gibt es teilweise Ausnahmen. Grundsätzlich dürfen sie den Brenner passieren, allerdings gilt zwischen 11 und 19 Uhr auf einem Abschnitt der Brennerstraße ein Fahrverbot für Fahrräder. Als Alternativen werden unter anderem die Ellbögener Straße und die Stubai-Radroute empfohlen.
Die Behörden raten Transitreisenden dringend dazu, Tirol großräumig zu umfahren. Als mögliche Alternativen gelten Routen über die Schweiz – etwa den Gotthard- oder San-Bernardino-Pass – sowie die Tauern- oder Pyhrnautobahn. Allerdings wird auch dort mit starkem Verkehrsaufkommen gerechnet.
Nicht betroffen sind die Züge über den Brenner. Der Bahnverkehr läuft regulär weiter. Die ÖBB empfiehlt Reisenden allerdings eine Sitzplatzreservierung. Sollte es zu Ausfällen bei Railjet- oder Eurocity-Zügen kommen, könne wegen der Straßensperren kein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden.
Auch medizinische Notfälle sollen laut Behörden weiterhin versorgt werden können. Einsatzfahrzeuge von Rettung und Polizei dürfen die Brennerautobahn nutzen, zusätzlich wird im Bereich der Demonstration ein eigener Einsatzkorridor freigehalten.
Keine gute Nachricht gibt es hingegen für Autofahrer mit bereits gekaufter Vignette: Laut ASFINAG werden Mautgebühren nicht zurückerstattet. Digitale 10-Tages-Vignetten können allerdings online auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.