Horrende Teuerung

Vinted statt Valentino: Immer mehr shoppen gebraucht

Die massiven Preissteigerungen bescheren dem Second-Hand-Markt einen gewaltigen Zulauf. Mittlerweile geht’s allein in Österreich um zwei Milliarden.
Team Wirtschaft
03.11.2025, 12:19
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Der Trend zum Second-Hand-Shopping hält weiter an. Immer mehr Österreicherinnen und Österreicher greifen lieber zu gebrauchter Ware, statt neue Produkte zu kaufen – und geben dafür auch mehr Geld aus. Das zeigt der aktuelle Consumer Check von Repubblika Research im Auftrag des Handelsverbands. Demnach haben 73 Prozent der Bevölkerung bereits Second-Hand-Produkte gekauft, rund 60 Prozent allein in den vergangenen zwölf Monaten. 36 Prozent planen, künftig noch häufiger gebraucht einzukaufen.

"Kein Nischenphänomen mehr"

"Second-Hand ist kein Nischenphänomen mehr, sondern ein fester Bestandteil des modernen Konsumverhaltens", betont Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Die Menschen würden nicht nur mehr kaufen, sondern auch höhere Ausgaben tätigen und unterschiedliche Kanäle nutzen. Der Verband geht derzeit von einem Marktvolumen von rund zwei Milliarden Euro jährlich aus.

Im Schnitt 211 Euro pro Jahr für Second-Hand-Ware

Im Schnitt geben Konsumentinnen und Konsumenten 211 Euro pro Jahr für gebrauchte Waren aus – vor einem Jahr waren es noch 195 Euro. 18 Prozent kaufen zumindest einmal im Monat Second-Hand-Waren. Besonders beliebt sind Bekleidung für Erwachsene (38 Prozent), Bücher, Filme und Medien (33 Prozent), Spielwaren (22 Prozent), Möbel und Wohnbedarf (21 Prozent) sowie Haushaltswaren und Geräte (19 Prozent).

Auch Technik wie Handys, Computer und Tablets (15 Prozent), Sportartikel (15 Prozent) und Kinderbekleidung (15 Prozent) werden häufig gebraucht gekauft. Als Hauptgründe für den Kauf nennen die Befragten vor allem den Wunsch, Produkten eine zweite Chance zu geben (74 Prozent), sowie den Preisvorteil gegenüber Neuware (71 Prozent).

Niederösterreich und Burgenland haben die Nase vorn

Im Bundesländer-Vergleich liegen Niederösterreich und das Burgenland mit jährlichen Ausgaben von 242 Euro pro Person an der Spitze, gefolgt von Kärnten und der Steiermark (219 Euro), Salzburg und Oberösterreich (205 Euro) sowie Vorarlberg und Tirol (196 Euro). Das Schlusslicht bildet Wien mit 190 Euro.

Online-Plattformen wie Willhaben, Vinted oder Refurbed zählen zu den wichtigsten Bezugsquellen – 55 Prozent kaufen dort regelmäßig gebraucht ein. Aber auch traditionelle Formate bleiben gefragt: 32 Prozent haben im vergangenen Jahr auf einem Flohmarkt eingekauft, 31 Prozent in einem Second-Hand- oder Vintage-Geschäft.

Drei von vier Österreichern verkaufen selbst Gebrauchtes

Nicht nur der Kauf, auch der Wiederverkauf boomt: Drei von vier Österreichern (75 Prozent) haben bereits Produkte weiterverkauft – meist Bekleidung und Schuhe (45 Prozent), Bücher und Medien (43 Prozent) oder Haushaltswaren (39 Prozent). Die meisten nutzen dafür Online-Marktplätze (79 Prozent). Im Durchschnitt konnten die Verkäuferinnen und Verkäufer 171 Euro pro Jahr einnehmen.

Chancen für neue Geschäftsmodelle

Laut Handelsverband ergeben sich daraus auch neue Chancen für den stationären Handel. 70 Prozent der Befragten würden Angebote wie Second-Hand-Zonen in Geschäften begrüßen. 72 Prozent finden zudem die Möglichkeit, gebrauchte aber generalüberholte Produkte zu kaufen, "sehr interessant".

"Der stationäre Einzelhandel hat hier enormes Potenzial, vom Rücknahmesystem bis hin zu integrierten Gebrauchtwarenzonen", sagt Rainer Will. "Wer heute auf Gebrauchtmodelle setzt, investiert in die Zukunft – für Kundinnen bzw. Kunden und die Umwelt."

{title && {title} } tmw, {title && {title} } Akt. 03.11.2025, 12:28, 03.11.2025, 12:19
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