Ab Herbst gelten neue Regeln

Wegen Deutschtest: Jedes vierte Kind bleibt sitzen

Wer beim Deutschtest durchfiel, musste bisher fix die Klasse wiederholen. Das wird nun gelockert und es kommt mehr Flexibilität bei Deutschförderung.
Angela Sellner
23.07.2026, 09:15
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Alarmierende Zahlen aus Österreichs Schulen: Von 22.800 außerordentlichen Schülern im Schuljahr 2022/23 mussten 22 Prozent eine Klasse wiederholen. Weitere drei Prozent verloren sogar zwei Schuljahre.

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) sieht akuten Handlungsbedarf. "Dass fast ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler im außerordentlichen Status zumindest ein Jahr in ihrer Schullaufbahn verlieren, ist eine Zahl, die viel zu hoch ist", sagte er der APA.

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Ab Herbst sollen Schulen deshalb mehr Spielraum bekommen. Ziel ist es, Kinder individueller zu fördern und unnötige Wiederholungen zu verhindern.

Deutschtest entscheidet

Ob ein Kind eine Deutschförderklasse besuchen muss, entscheidet der Sprachtest MIKA-D. Schulanfänger und Quereinsteiger aus dem Ausland, die dabei nicht gut genug abschneiden, können bis zu zwei Jahre lang maximal 20 Stunden pro Woche getrennt von ihrer Stammklasse unterrichtet werden.

Gemeinsamen Unterricht gibt es oft nur in Fächern wie Werken, Musik oder Turnen. Zuletzt hatten mehr als 48.000 Schüler den außerordentlichen Status.

Bisher mussten Kinder die Schulstufe grundsätzlich wiederholen, wenn ihr MIKA-D-Ergebnis am Ende des Jahres nicht "ausreichend" war. Das galt selbst dann, wenn sie in allen anderen Gegenständen positiv beurteilt wurden.

Besonders problematisch war das beim Wechsel von der Volksschule in eine Mittelschule oder eine andere Schulart. Durch den außerordentlichen Status fehlten manchen Kindern die formalen Voraussetzungen für den Übertritt.

Aufstieg trotz "mangelhaft"

Ab dem Schuljahr 2026/27 dürfen Schüler künftig auch mit einem "mangelhaften" MIKA-D-Ergebnis aufsteigen. Voraussetzung ist, dass sie in allen Fächern positiv beurteilt wurden und die Klassen- oder Schulkonferenz eine positive Leistungsprognose abgibt.

Das gilt auch für den Wechsel von der Volksschule in die Mittelschule. Bei einem "ungenügenden" Ergebnis muss die Klasse weiterhin wiederholt werden.

Pflicht zur Extraklasse fällt

Auch die Verpflichtung zu eigenen Deutschförderklassen wird gelockert. Bisher mussten Schulen ab acht außerordentlichen Schülern eine eigene Klasse oder Gruppe einrichten.

Ab Herbst kann stattdessen direkt im Klassenverband Deutsch gelernt werden. Rund die Hälfte der Schulen will solche eigenen Fördermodelle nutzen. In den besuchten Fächern sollen die Kinder künftig auch Noten bekommen können.

Weniger Tests für die Schulen

Der MIKA-D-Test muss künftig nur noch am Ende des Sommersemesters verpflichtend durchgeführt werden. Bei deutlichen Fortschritten ist ein zusätzlicher Test möglich, damit ein Kind früher in die Regelklasse wechseln kann.

Auch der Test selbst wird angepasst. Neue Fragen für die dritte und vierte Volksschulklasse sowie für die Mittelschule sollen für genauere Ergebnisse sorgen.

Mit der ab heuer verpflichtenden Sommerschule, dem Ausbau der Deutschförderung und zusätzlichen Mitteln für Brennpunktschulen ("Chancenbonus") sollen Kinder laut Wiederkehr früher ihren außerordentlichen Status verlieren und "mit guten Deutschkenntnissen am Schulleben voll teilhaben".

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