Geld am Weg in USA?

Wirbel um "Orbán-Oligarchen" – Privatjet-Starts in Wien

Viktor Orbán gibt nach seiner Abwahl auch seinen Parlamentssitz auf. Gleichzeitig sorgen mögliche Auslandspläne und Geldtransfers für Aufsehen.
Lara Heisinger
28.04.2026, 06:17
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Nach seiner Abwahl stellt Ungarns langjähriger Premier Viktor Orbán nun auch eines seiner letzten politischen Ämter zur Verfügung – und sorgt damit für neue Spekulationen.

Der 62-jährige Chef der rechtspopulistischen Fidesz-Partei kündigte am Wochenende an, seinen Parlamentssitz aufzugeben, den er seit 1990 innehatte. Zur Begründung erklärte er, er werde aktuell nicht im Parlament gebraucht, sondern "bei der Neuorganisation des nationalen Lagers".

Zuflucht in die USA?

Gleichzeitig mehren sich Gerüchte über mögliche weitere Schritte des Politikers. Der Enthüllungsjournalist Szabolcs Panyi schrieb auf X, Orbán könnte einen geplanten längeren USA-Aufenthalt im Sommer nutzen, um dort "Zuflucht vor Strafverfolgung" zu suchen. Offiziell stehen der Besuch mehrerer Spiele der Fußball-WM sowie Zeit mit seiner Familie auf dem Programm.

Bereits im Herbst soll Orbáns Tochter Ráhel aus Studiengründen mit ihrer Familie nach New York gezogen sein. Ihr Ehemann István Tiborcz, ein umstrittener Geschäftsmann, zählt dank seiner familiären Verbindungen inzwischen zu den reichsten Unternehmern Ungarns.

Über Wien: Privatjets bringen Besitz ins Ausland

Während Orbáns Reisepläne Fragen aufwerfen, berichten Medien auch von auffälligen Entwicklungen im Umfeld der Fidesz-Elite. Laut "Guardian" sollen derzeit vermehrt Privatjets von Wien aus starten – beladen mit Besitz ungarischer Neureicher.

Der designierte Premier Péter Magyar sprach am Wochenende in einer Videobotschaft von intensiven Auswanderungsvorbereitungen mehrerer einflussreicher Familien aus dem Umfeld der Partei. Demnach seien nicht nur Kinder bereits aus ungarischen Schulen abgemeldet worden.

Geldtransfers ins Ausland

Magyar behauptet zudem, dass "Orbáns Oligarchen" derzeit Milliardenbeträge in Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, die USA oder Uruguay transferieren. In diesem Zusammenhang soll die Nationale Zoll- und Steuerverwaltung (NAV) mehrere größere Geldtransfers aus dem Umfeld von Orbáns Kabinettschef Antal Rogán gestoppt haben – nach Bankhinweisen wegen möglicher Geldwäsche. Magyar forderte, die Behörde müsse "das gestohlene Geld" einfrieren.

52 Milliarden Euro Staatsmittel veruntreut

Der Politologe Bálint Ruff schätzt, dass Fidesz-Funktionäre insgesamt rund 52 Milliarden Euro an Staatsmitteln veruntreut haben könnten. Als künftiger Kabinettschef soll Ruff eine Behörde zur "Rückgewinnung des nationalen Vermögens" aufbauen.

Auch auf europäischer Ebene könnte weiterer Druck entstehen: Magyar kündigte bereits in der Wahlnacht an, Ungarn der Europäischen Staatsanwaltschaft beitreten zu lassen. Damit könnten Ermittlungen nicht nur gegen Parteimitglieder, sondern auch gegen Angehörige Orbáns ausgeweitet werden.

Schon seit Jahren berichten Medien über mögliche Begünstigungen bei staatlichen Aufträgen. So soll die Firma Dolomit Kft., die mehrheitlich Orbáns Vater gehört, bei zahlreichen Großprojekten trotz vergleichsweise hoher Preise als Subunternehmen zum Zug gekommen sein. Selbst bei der Schnellbahnstrecke zwischen Budapest und Belgrad hätten Partnerunternehmen zuletzt Kritik an der Qualität des verwendeten Materials geäußert.

Vor diesem Hintergrund wird auch Orbáns USA-Reise unterschiedlich interpretiert. Das Balkanportal BIRN mutmaßt, Fußball sei "nicht der einzige Grund für Orbáns US-Reise". Bereits der Umzug seiner Tochter sei als "Teil einer Exitstrategie im Fall eines unvorteilhaften Wahlausgangs" gesehen worden: "Die USA könnten ein sicherer Hafen für Orbáns Familie sein."

{title && {title} } LH, {title && {title} } 28.04.2026, 06:17
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