Im Mordfall um eine 28-jährige Niederösterreicherin gibt es eine brisante Wendung. Monate nach den tödlichen Schüssen in einer Wohnung in Kottingbrunn wird nun international nach einem zweiten Mann gesucht. Er steht unter dem dringenden Verdacht, an dem Verbrechen beteiligt gewesen zu sein – das berichtet am Sonntag die "Kronen Zeitung".
Die junge Frau wurde in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai 2026 in ihren eigenen vier Wänden getötet. Drei Schüsse aus einer Kleinkaliber-Pistole trafen sie am Kopf. Die 28-Jährige arbeitete als Teilzeit-Sekretärin in Wien und studierte nebenbei Wirtschaft an einer Fachhochschule.
Bekannte beschrieben sie gegenüber den Ermittlern als freundlich, verantwortungsbewusst und fleißig. Sie verbrachte viel Zeit mit ihren Eltern, wollte sich beruflich weiterentwickeln, heiraten und eine Familie gründen. Diese Pläne endeten in jener Nacht im Mai.
Als mutmaßlicher Schütze gilt Christian F. Der 27-jährige Steirer hatte Sandra wenige Wochen vor ihrem Tod über Facebook kennengelernt. Nach mehreren Treffen, die meist bei ihr stattfanden, wurden die beiden ein Paar.
Der Mann soll sich ihr als erfolgreicher Unternehmer präsentiert haben. Auf sozialen Medien vermittelte er den Eindruck, mehrere Luxusautos zu besitzen und eine erfolgreiche Tiefbaufirma mit Standorten in Österreich und Deutschland zu führen, heißt es in dem Bericht.
Tatsächlich war Christian F. wiederholt geschäftlich gescheitert und wegen betrügerischer Krida vorbestraft. Die Sportwagen, mit denen er sich im Internet zeigte, gehörten ihm nicht. Bilder von angeblichen Projekten sowie Aufnahmen, die ihn im Anzug in einem schicken Büro zeigten, waren mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt worden.
Am vergangenen Mittwoch musste Christian F. bei einem gerichtlich angeordneten Lokalaugenschein zurück an den Tatort. In der Wohnung sollte er anhand einer Puppe zeigen, wie sich das Verbrechen abgespielt haben soll.
Auch dort beteuerte er laut "Kronen Zeitung": "Ich wollte meine Freundin nicht umbringen, wirklich nicht". Seine aktuelle Darstellung unterscheidet sich deutlich von früheren Aussagen. Denn Christian F. hat seine Verantwortung für die Tat bereits mehrfach anders geschildert.
Zunächst gab er bei Vernehmungen laut "Krone" an, in der Nacht auf den 15. Mai "durchgedreht" zu sein, weil Sandra ihn wegen seiner "mangelhaften Manneskraft" verspottet habe. Später sprach er von "gefährlichen Mafia-Kreisen", in denen die 28-Jährige verkehrt haben soll. Deshalb habe er "zu unser beider Schutz eine Waffe zu ihr mitgenommen". Beim Umgang mit der Pistole seien schließlich "unbeabsichtigt Kugeln losgegangen".
Inzwischen erzählt der Mordverdächtige eine weitere Version. Diesmal halten die Ermittler seine Angaben offenbar für glaubwürdiger. Was zunächst abenteuerlich geklungen haben soll, gewann bei den polizeilichen Überprüfungen zunehmend an Substanz, berichtet die Tageszeitung.
Im Mittelpunkt steht Elvis V., ein 32-jähriger Deutscher und früherer bester Freund von Christian F. Die beiden hatten sich bereits 2012 beim gemeinsamen Computerspielen im Internet kennengelernt. Über die Jahre entwickelte sich eine enge Freundschaft. Anfang 2026 zog Elvis V. schließlich in die Heimatgemeinde des Steirers.
Christian F. hatte dem gelernten Schmied demnach versprochen, ihn zum stellvertretenden Geschäftsführer seines vermeintlichen Unternehmens zu machen. Tatsächlich gab es für die beiden kaum Arbeit. Zeitweise halfen sie stundenweise auf fremden Baustellen aus. Sonst verbrachten sie viel Zeit in ihrem gemeinsam gemieteten Haus, spielten nachts am Computer und schliefen häufig bis zum Nachmittag.
Auch die 28-Jährige soll Elvis V. gekannt haben. Christian F. soll seinen Freund bereits im April einmal zu ihr mitgenommen haben. Bei diesem Treffen und durch spätere Erzählungen soll der Deutsche erfahren haben, dass die Niederösterreicherin über beträchtliche Geldsummen und Wertgegenstände verfügte.
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Christian F. behauptet laut "Krone" nun: "Am Ende hatte Elvis die Idee, meine Freundin zu berauben." Fest steht laut den Ermittlungen, dass die beiden Männer am 14. Mai gegen 16 Uhr bei einer Grazer Leihwagenfirma einen Kia besorgten und anschließend nach Kottingbrunn fuhren. Ab diesem Zeitpunkt war das Handy des Deutschen im Flugmodus. Unterwegs hielten die Männer bei einer Tankstelle und kauften Getränke.
Mit dabei war eine Kleinkaliber-Pistole von Christian F. Mit dieser soll Elvis V. bereits Tage zuvor Schießübungen gemacht haben.
Was anschließend in der Wohnung geschah, schildert Christian F. so: Zwischen Sandra und Elvis V. sei rasch ein heftiger Streit ausgebrochen. "Sie beschimpften einander richtig arg; irgendwann eskalierte die Situation total. Und ich habe in einer Art Tunnelblick meine Freundin erschossen", wird er in der "Krone" zitiert.
Viele Fragen zu dieser Darstellung sind weiterhin offen. Der 27-Jährige will dazu derzeit offenbar keine weiteren Angaben machen: "Ich werde das erst tun, wenn Elvis hinter Gittern ist."
Elvis V. dürfte untergetaucht sein. Nach ihm wird mittlerweile international gefahndet. Gegen den 32-Jährigen besteht der dringende Verdacht der Beihilfe zum Mord an der jungen Niederösterreicherin.
Warum Christian F. die mögliche Beteiligung seines früheren Freundes zunächst verschwieg, erklärt er mit angeblichen Drohungen. "Elvis hatte angekündigt, meine ganze Familie umzubringen, wenn ich ihn verrate", sagt der Tatverdächtige laut "Krone".
Diese Drohungen soll es laut Christian F. mehrfach gegeben haben. Auf die Frage, wann, antwortete er: "Oft, zum Beispiel auch bei Thermenbesuchen mit ihm".
Auch nach dem Tod der 28-Jährigen soll Geld von ihrem Konto verschwunden sein. Mit ihrer Bankomatkarte wurde ein höherer Betrag behoben. Wie die mutmaßlichen Täter an den dazu nötigen Code kamen, ist weiterhin ungeklärt.
Für den Tatverdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.