Vier Jahrzehnte nach ihrem Einzug ins Parlament stellen die Grünen in Österreich die Weichen für die Zukunft. Zum Jubiläum will die Partei ihren Kurs neu ausrichten.
Entstanden ist die Bewegung vor mehr als 40 Jahren aus Protest gegen Umweltzerstörung und Atomkraft. 1986 zogen die Grünen schließlich in den Nationalrat ein – getragen von Bürgerinitiativen, der Anti-AKW-Bewegung und den Protesten in der Hainburger Au.
Zum Jubiläum kündigt die Partei nun einen neuen Leitbildprozess an. "Die Grünen sind in dem Moment entstanden, in dem Menschen gesagt haben: Österreich kann mehr – mehr Gerechtigkeit, mehr Freiheit, mehr Zukunft", sagt Bundessprecherin Leonore Gewessler. Die Partei habe immer dann einen Unterschied gemacht, "wenn es um die Richtung für dieses Land ging".
Mit Blick auf aktuelle Krisen sieht Gewessler Österreich erneut an einem Wendepunkt. "Jetzt entscheidet sich, ob dieses Land nach vorne geht – oder alles verspielt", so die Parteichefin. Es gehe darum, ob ein gutes Leben leistbar bleibe, ob man unabhängiger von Öl und Gas werde und wie stabil die Demokratie sei.
Die Antwort darauf soll ein neues Leitbild liefern, das in den kommenden Monaten erarbeitet wird. "Wir geben uns ein neues Leitbild, das den Blick nach vorne schärft: Auf ein Österreich, das seine Natur schützt, seine Demokratie verteidigt und niemanden zurücklässt", erklärt Gewessler. "Denn Zukunft passiert nicht einfach – sie wird von Menschen gemacht. Und genau dafür braucht es starke Grüne."
Auch Vize-Parteichefin Alma Zadić betont die Rolle der Grünen in Krisenzeiten: "Immer dann, wenn Grundrechte unter Druck geraten sind, wenn Macht missbraucht wurde oder Menschen ausgegrenzt wurden, haben die Grünen hingeschaut und gehandelt."
Gleichzeitig warnt sie vor Spaltung: "Parteien wie die FPÖ spalten bewusst, spielen Menschen gegeneinander aus und legen Feuer, wo Zusammenhalt gebraucht wird."
Der stellvertretende Bundessprecher Stefan Kaineder hebt konkrete Auswirkungen grüner Politik hervor. "Das sieht man ganz konkret: Busse, die auch am Abend noch fahren, Heizsysteme, die nicht von teurem Öl und Gas abhängen, und Ortskerne, in denen Geschäfte, Arztpraxis und Wirtshaus nicht zusperren." Ziel sei es, auch künftig ein gutes Leben für alle zu sichern – unabhängig von Wohnort oder Einkommen.