Du erzählst etwas, plötzlich verschränkt dein Gegenüber die Arme. Sofort schießt dir ein Gedanke durch den Kopf: Ist die Person genervt, gelangweilt oder sogar sauer auf mich? Doch genau dieser schnelle Schluss kann völlig danebenliegen.
Denn Körpersprache ist weit weniger eindeutig, als viele glauben. Eine einzelne Geste verrät selten zweifelsfrei, was gerade in einem Menschen vorgeht. Gegenüber dem Onlinemagazin "The Skimm" verraten zwei Expertinnen, welche überraschenden Gründe hinter verschränkten Armen stecken können.
"Verschränkte Arme bedeuten nicht unbedingt, dass jemand grantig ist", erklärt Etikette-Expertin und Sprachtherapeutin Jo Hayes. Die Haltung könne ebenso Zurückhaltung oder Unsicherheit ausdrücken und wie eine Art Schutzschild wirken. Körpersprache-Expertin Nicole Moore weist zudem auf eine deutlich banalere Erklärung hin: Manchmal ist es schlicht bequem, die Arme zu verschränken. Statt eine einzelne Bewegung sofort zu interpretieren, lohnt sich daher der Blick auf die gesamte Situation.
Die wohl simpelste Erklärung hat mit Emotionen überhaupt nichts zu tun. Ist es im Raum kalt, ziehen Menschen ihre Arme automatisch näher an den Körper und verschränken sie. Wer beim nächsten Gespräch plötzlich diese Haltung bemerkt, sollte also nicht sofort die eigene Wortwahl hinterfragen. Vielleicht wäre eine wärmere Jacke die passendere Antwort.
Verschränkte Arme können außerdem eine körperliche Barriere schaffen. Wer sich von seiner Umgebung überfordert, unsicher oder unwohl fühlt, kann die Haltung unbewusst nutzen, um sich etwas stärker abzugrenzen.
"Wenn sich jemand unwohl, ängstlich oder unsicher fühlt, verschränkt die Person oft die Arme, um sich vor anderen abzuschirmen", erklärt Moore. Entscheidend sei jedoch: Das bedeutet nicht automatisch, dass sich die Person ausgerechnet vor ihrem Gesprächspartner schützen möchte. Die Unsicherheit kann genauso gut mit der gesamten Situation zusammenhängen.
Manchmal suchen wir schlicht eine angenehme Position für unseren Körper. Ähnlich wie beim Übereinanderschlagen der Beine kann das Verschränken der Arme eine bequeme Haltung sein. Laut Moore kann die Position bei körperlicher oder mentaler Erschöpfung angenehm sein. Und wer gerade nicht weiß, wohin mit seinen Händen, findet auf diese Weise ebenfalls einen unkomplizierten Platz dafür. Die vermeintliche Abwehrhaltung kann also schlicht Komfort bedeuten.
Auch in angespannten Situationen können die Arme vor dem Oberkörper landen. Nervosität, soziale Unsicherheit oder Angst können dazu führen, dass Menschen sich körperlich kleiner beziehungsweise geschützter machen.
Die Haltung kann dabei helfen, sich selbst zu beruhigen und weniger verletzlich zu fühlen. Gerade in unbekannten Gruppen, bei schwierigen Gesprächen oder in Situationen, in denen sich jemand beobachtet fühlt, kann sie deshalb auftreten.
Überraschenderweise kann dieselbe Geste auch das Gegenteil von Unsicherheit vermitteln. In Verbindung mit einer aufrechten Körperhaltung, geradem Kopf und langem Nacken können verschränkte Arme selbstbewusst oder dominant wirken. Manche Menschen nehmen die Position laut Moore sogar ein, um sich selbst stärker und kraftvoller zu fühlen. Aus dem vermeintlichen Schutzschild wird dann eine Art "Power"-Pose.