Jeder vierte Job betroffen

570 Stellen bei ZKW weg: "Bangen, wen es trifft"

Der Autozulieferer ZKW streicht in NÖ hunderte Jobs. Weltweit ist ein Viertel der Belegschaft betroffen. Die Verunsicherung im Unternehmen ist groß.
Aram Ghadimi
15.01.2026, 05:15
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Der Autozulieferer ZKW, mit Hauptsitz im niederösterreichischen Wieselburg, hat beschlossen, weltweit Stellen abzubauen – "Heute" hat bereits dazu berichtet. Jetzt gibt es weitere Details:  Im vergangenen Herbst sei bereits darüber spekuliert worden, dass 2026 weitere Stellen abgebaut werden sollen, heißt es aus dem Unternehmen. Seit Wochenbeginn herrscht nun traurige Gewissheit darüber.

Nachdem es bereits 2023 zu einer Kündigungswelle gekommen war, steht seit Montag fest, dass bis Ende 2027 an den beiden niederösterreichischen Standorten Wieselburg und Wiener Neustadt insgesamt 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgebaut werden. Im Rahmen einer Betriebsversammlung wurde auch die Belegschaft darüber informiert – seitdem ist die Verunsicherung bei Beschäftigten des Autozulieferers groß.

Und seit Dienstag gibt es konkrete Zahlen: Weltweit baut die ZKW Group mit ihren derzeit zwölf Standorten und etwa 10.000 Beschäftigten insgesamt 2.300 Stellen ab. Kurzum: Nahezu ein Viertel der Belegschaft ist betroffen, insbesondere auch Mitarbeiter am Hauptsitz der ZKW Group sowie bei der ZKW Lichtsysteme GmbH in Wieselburg. Auch das Elektronik-Werk in Wiener Neustadt baut ab.

Per Video-Call informiert

Besonders hart trifft es aber Wieselburg, wo rund 100 Jobs im Headquarter und 470 bei der ZKW Lichtsysteme GmbH gestrichen werden sollen. Wie die Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) schreiben, hatte Won Yong Hwang, der seit Jänner 2025 als Chief Executive Officer (CEO) die Geschicke des Unternehmens leitet, am Montagmittag sämtliche Führungskräfte aller zwölf Standorte in einem Video-Meeting über die Fortsetzung des weltweiten Kostensenkungsprogramms und den Stellenabbau informiert. Direkt im Anschluss seien lokale Video-Meetings für die Mitarbeiter gefolgt – rund 1.500 von ihnen sollen persönlich oder via Teamschaltung daran teilgenommen haben.

Abbau begann 2023

Für Christian Fußthaler, Arbeiterbetriebsratsvorsitzender der ZKW Lichtsysteme GmbH, ist die Ankündigung zwar eine "echte Hiobsbotschaft", aber auch keine völlige Überraschung, nachdem es bereits 2023 bei ZKW Lichtsysteme einen zweijährigen Stellenabbau gegeben hat, der 600 Personen betroffen habe. Damals sei größtenteils Leasingpersonal betroffen gewesen.

Jetzt, sagt Fußthaler, gehe es aber um Stammpersonal. Die Anspannung im Betrieb sei groß, weil niemand weiß, wen es treffen wird: "Als Betriebsrat haben wir bereits 2023 einen Sozialplan mit dem Unternehmen verhandelt. Er sieht für Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren, eine Geldsumme als zusätzliche Absicherung vor, abhängig vom jeweiligen Alter und wie lange jemand beim Unternehmen ist."

"Großes Zittern hat begonnen"

Auch Thomas Matuska, Vorsitzender des Angestelltenbetriebsrats der ZKW Group GmbH, sprach gegenüber den Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) von einer angespannten Lage: Die Reaktionen seien bisher zwar gefasst und ruhig gewesen, weil die Gerüchte schon lange kursierten, "aber natürlich hat jetzt das große Zittern begonnen".

Anders als 2023 sei nun auch das Headquarter stärker betroffen, der Abbau werde "wirklich durch alle Bereiche und Abteilungen gehen – von der Produktion bis zur Entwicklung, von der IT bis hin zu den allgemeinen Bereichen", so Matuska.

Sozialplan für betroffene Mitarbeiter

Ein Trostpflaster gibt es dennoch: Der 2023 abgeschlossene Sozialplan soll auch künftig aufrecht bleiben. Er gilt für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ZKW Lichtsysteme, aber auch für die der ZKW Group. Laut Fußthaler, habe der Sozialplan bis März 2027 verlängert werden können – und soll jetzt auch für die neuen Stellenstreichungen gelten. Man arbeite daran, ihn bis Ende 2027 zu verlängern.

Die angekündigten Stellenstreichungen sorgen auch in der Region für große Betroffenheit. Wieselburgs Bürgermeister Josef Leitner (SPÖ) spricht gegenüber den NÖN von einer "harten Konsequenz" der anhaltend schwierigen Lage in der Autobranche. Der Verlust von Jobs für insgesamt rund 570 Personen in den nächsten zwei Jahren sei für die Betroffenen ein massiver Einschnitt.

Für Leitner müsse es jetzt darum gehen, neue berufliche Perspektiven zu schaffen: Es gebe Unternehmen in der Region, die Personal suchen – auch die Stadtgemeinde Wieselburg selbst. Zudem wolle man die Begleitung von Unternehmensgründern sowie von Firmen, die sich ansiedeln oder expandieren und damit neue Jobs schaffen, unterstützen. Leitner steht nach eigenen Angaben im Austausch mit der Unternehmensleitung und dem Betriebsrat der ZKW.

Größter Arbeitgeber und Steuerzahler

Trotz der jüngsten negativen Entwicklungen hält Leitner die ZKW Group für einen der wichtigsten Arbeitgeber der Region. Der SPÖ-Bürgermeister ist überzeugt: Mit seiner kompetenten Belegschaft werde die ZKW weiterhin hochqualitative Lichtsysteme in Wieselburg produzieren und ein innovativer sowie verlässlicher Partner zahlreicher Automotive-Hersteller bleiben. Die ZKW bleibe auch weiterhin der größte Arbeitgeber des Bezirks und gleichzeitig auch der größte Kommunalsteuerzahler der Gemeinde.

Die FPÖ-Wirtschaftssprecherin, Dr. Barbara Kolm, spricht von einem "Ergebnis jahrelanger Standortvernichtung durch Systemparteien". Seit der Jahrtausendwende leitet sie das Friedrich A. v. Hayek Institut, das für den Abbau von Marktregulierungen, die Privatisierung staatlicher Unternehmen und längere Arbeitszeiten eintritt. Sie sagt: "Was wir jetzt brauchen, ist eine Standortoffensive, die diesen Namen auch verdient. Es braucht schnellere Verfahren, massive steuerliche Entlastungen (für Unternehmen, Anm.) und die sofortige Rücknahme überzogener Umweltauflagen."

Europas Autoindustrie schwächelt

Christian Fußthaler vertritt im "Heute"-Gespräch eine andere Position: "Die Gründe für den weiteren Stellenabbau liegen in der anhaltenden Krise der europäischen Autoindustrie. Absatz und Aufträge sind im Allgemeinen rückläufig. Dabei geht es nicht um den Standort Österreich oder zu hohe Umweltauflagen. Die ZKW muss weltweit 2.300 Jobs streichen, nicht nur bei uns in Österreich. Und für einen Scheinwerferhersteller macht auch die Antriebsart – Elektro oder Verbrenner – keinen Unterschied."

Von einem "Schlag für die Region, der leider zu befürchten war", spricht indes der ÖVP-Bürgermeister der Gemeinde Wieselburg-Land, Franz Rafetzeder. Für ihn gehe es jetzt aber nicht nur um Arbeitsplätze, sondern auch um die Menschen, die sich niedergelassen und ihren Lebensmittelpunkt aufgebaut hätten. Der ÖVP-Politiker warnt vor möglichen negativen Auswirkungen auf die Region, weil auch Kaufkraft verloren gehen könne.

Bürgermeister hofft auf "Ende der Fahnenstange"

Gleichzeitig hat er die Hoffnung, dass der aktuell zweite Konsolidierungsschritt bereits das Ende der Fahnenstange sein könnte. Wenn ZKW die danach noch bestehende Mitarbeiteranzahl in Wieselburg halten könne, bleibe das Unternehmen auch weiterhin der größte Arbeitgeber der Region. Der ÖVP-Bürgermeister wünscht sich, dass die angekündigte Entlassungswelle wirklich das letzte Kostensenkungsprogramm der ZKW bleibt, das mit einem so massiven Mitarbeiterabbau verbunden ist.

Drei von vier behalten Job

"Wir gehen davon aus, dass am Ende drei Viertel der Belegschaft weiterhin einen Job haben und wir zu neuen Erfolgen finden", sagt Fußthaler mit Blick auf die Zukunft des Betriebs in der Region: "Die Firma hat eine eigene Plattform für Fragen eingerichtet, doch mit individuellen Anliegen kommen viele zu uns. Als Betriebsrat arbeiten wir für die Beschäftigten. Wenn Mitarbeiter betroffen sind, bekommen sie bei uns Unterstützung."

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