In Frankreich werden zwei zuvor verbotene Insektengifte wieder zugelassen. Nach der Nationalversammlung hat Dienstagabend auch der Senat ein entsprechendes Gesetz mit 214 zu 111 Stimmen verabschiedet. Umweltministerin Monique Barbut hat deshalb ihren Rücktritt angekündigt.
Bei den zwei Insektengiften handelt es sich um die Wirkstoffe Acetamiprid und Flupyradifuron, die wegen ihrer Eigenschaft als "Bienenkiller" als höchst umstritten gelten. In anderen EU-Ländern sind sie in Pflanzenschutzmitteln noch zugelassen - darunter auch in Österreich.
Laut Kritikern wirken die Gifte nicht nur gegen die Insekten, gegen die sie eingesetzt werden, sondern auch gegen Bienen und andere wichtige Insekten, die Pollen übertragen. Der Stoff würde sich in der Umwelt verbreiten und auch die menschliche Gesundheit gefährden. Laut wissenschaftlichen Studien gibt es Hinweise, dass die Wirkstoffe Entwicklungsstörungen bei Embryos und eine Verringerung von Eizellen verursachen.
Dennoch haben französische Landwirte die erneute Zulassung gefordert, um Gemüse wie Rote Rüben vor Schädlingen zu schützen. Aus Protest gegen die Wiedereinführung will die französische Umweltministerin Barbut Präsident Emmanuel Macron unverzüglich über ihren Rücktritt informieren. "In meinen Augen habe ich keine andere Wahl, als meinen Rücktritt einzureichen", soll sie Mitarbeitern gegenüber geäußert haben.
Bereits im vergangenen Jahr war der Versuch gescheitert, den Wirkstoff Acetamiprid wieder zuzulassen - der Gesetzesentwurf hatte eine Protestwelle ausgelöst, bei der mehr als zwei Millionen Menschen eine Petition gegen die Wiedereinführung unterschrieben hatten.
Die linksgrüne Opposition in Frankreich hat angekündigt, sich nun erneut an den Verfassungsrat zu wenden.