Der ORF steht vor einem tiefgreifenden Umbruch: Nach dem Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann ist die Führungsspitze plötzlich neu zu besetzen gewesen – und der Druck im Hintergrund war enorm.
Schwere Vorwürfe hatten zuletzt für Unruhe gesorgt, auch wenn Weißmann diese zurückwies. Am Donnerstagabend fiel schließlich die Entscheidung: Ingrid Thurnher übernimmt das Steuer. Ihre Amtszeit ist vorerst bis Ende 2026 angesetzt – und schon jetzt richtet sich der Blick gespannt auf ihren Kurs. In einem Pressegespräch stellte sie sich am Freitag etlichen Fragen zu ihrem neuen Job.
Am Freitag trat Thurnher vor die Öffentlichkeit und machte klar, wie ernst sie die neue Rolle nimmt. Sie übernehme die Aufgabe "mit großem Respekt", erklärte sie – sowohl gegenüber dem Amt als auch gegenüber dem Publikum.
Gleichzeitig stellte sie unmissverständlich fest, dass die jüngsten Entwicklungen im Unternehmen genau geprüft werden: Berichte über interne Konflikte und Vorwürfe sexueller Belästigung sollen sorgfältig aufgearbeitet werden. Dabei betonte sie, dass Transparenz wichtig sei, aber nur auf Basis gesicherter Erkenntnisse erfolgen könne. Besonders beim Schutz von Betroffenen will sie nachschärfen und interne Strukturen stärken.
Deutlich wurde Thurnher auch in ihrer Haltung: "Für mich als Frau ist eines klar: Einen sexualisierten Blick auf Frauen darf es nicht geben." Und sie richtet einen klaren Appell an mögliche Betroffene: "Wer im ORF sexualisierte Übergriffe erlebt, soll sich bitte melden." Gleichzeitig verliert sie das große Ganze nicht aus den Augen.
Du oder jemand, den du kennst, benötigt Hilfe in Bezug auf psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt?
Hier findest du sie:
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
Gewaltschutzzentren: +43 1 585 32 88
Weisser Ring: 0800 112 112
TelefonSeelsorge – Notruf 142 (täglich 0-24 Uhr)
"Im ORF arbeiten viele Menschen, die einen großartigen Job machen", betonte sie und will jetzt vor allem das Vertrauen der Österreicher zurückgewinnen, das Publikum stärker in den Mittelpunkt rücken und den Sender langfristig stabil aufstellen – ohne sich ausschließlich in der Aufarbeitung der Vergangenheit zu verlieren.