Österreich hat eine brisante Grenze überschritten – und zwar lebt knapp über die Hälfte der Menschen hierzulande inzwischen vom Staat. Auf jeden Beschäftigten in der Privatwirtschaft kommen 1,02 Pensionisten, öffentlich Bedienstete oder Sozialleistungsbezieher.
"Die halbe Republik hängt am Staatstropf", formuliert es die wirtschaftsliberale Denkfabrik Agenda Austria, von der die Analyse stammt.
Heißt konkret: Die Zahl jener, die Pensionen, staatliche Gehälter oder Sozialhilfe erhalten, ist inzwischen größer als jene der Beschäftigten in der Privatwirtschaft, die mit ihren Steuern und Abgaben letztlich alle anderen finanzieren. Die Experten warnen nun vor einer zunehmenden Schieflage.
Nicht zu vergessen freilich: Auch Staatsbedienstete und Pensionisten entrichten Steuern und zahlen ins System ein beziehungsweise haben das getan.
Noch zugespitzter ist die Situation im aktuell von schweren gesellschaftlichen Unruhen erschütterten Frankreich. Dort kommen laut der Analyse auf einen Beschäftigten in der Privatwirtschaft bereits 1,4 Pensionisten, Staatsbedienstete oder Bezieher bestimmter Sozialleistungen.
In Italien liegt das Verhältnis Staatstropf/privat Arbeitende bei 0,97, Spanien bei 0,96 und Deutschland bei 0,89.
Österreich steht zwar besser da als Frankreich, das Mehrheitsverhältnis ist bei uns laut Agenda Austria aber bereits gekippt. Und die demografische Entwicklung werde das Problem weiter verschärfen: Immer mehr Menschen gehen in Pension, während der Druck auf die Finanzierung des Sozialstaats steigt.
Wenn eine wachsende Mehrheit von dem lebt, was eine immer kleiner werdende Minderheit erwirtschaftet, könnte das zu starken gesellschaftlichen Spannungen führen, warnen Experten. "Französische Verhältnisse drohen uns so bald nicht", beruhigt Agenda Austria-Ökonom Jan Kluge aber.
Gleichzeitig sieht er Handlungsbedarf für große Reformen: Länger Arbeiten, weniger Personal im öffentlichen Dienst, mehr Arbeitslose in Beschäftigung zu bringen – das sei auch bei uns dringend geboten, so der Experte.
Besonders brisant: Je stärker das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Leistungsempfängern kippt, desto schwieriger könnte es werden, Pensionen und öffentliche Leistungen langfristig zu finanzieren.