"Stärke, Speck und gute Laune" – so beschreibt die deutsche Journalistin Rabea Weihser in einem Artikel für das "Zeit Magazin" den Körperbau, den sie immer öfter im Fitnesscenter sieht. Sie nennt ihn den "Carbonara-Körper", angelehnt an die im Pastagericht enthaltene Stärke und den ebenfalls enthaltenen Speck.
Dabei denkt sie an Frauen, die Krafttraining machen, sichtbar kräftig sind und nicht darauf achten, möglichst schlank zu wirken. Wie "20 Minuten" berichtet, wollte die Autorin damit ein Zeichen gegen den aktuellen Skinny-Trend setzen. Doch auf Social Media wird der Text ordentlich zerrissen.
Vor allem der Ausdruck "Carbonara-Körper" stößt vielen sauer auf. Die Creatorin Ena Soukou sagt in einem Video: "Ein ganz normaler Körper ist ein starker Körper mit einer guten Muskulatur. Und der hat natürlich einen Körperfettanteil." Sie ärgert sich: "Die Tatsache, dass sie auch noch einen Begriff wählt und das als Carbonara-Frauen bezeichnet, stresst mich so sehr."
„Eine Frau ist kein Nudelgericht.“
Auch unter dem Beitrag selbst heißt es: "Eine Frau ist halt kein Nudelgericht." Die Formulierung "Stärke, Speck und gute Laune" kommt ebenfalls schlecht an. Eine Userin fragt: "Ein gesunder Körperfettanteil wird jetzt als Speck bezeichnet?"
Viele stören sich grundsätzlich daran, dass Frauenkörper immer wieder bewertet und als Trends verkauft werden: Früher "Heroin Chic", dann "Pilates Body" oder "Rich Girl Arms", jetzt also der "Carbonara-Körper". Creatorin und Sportwissenschaftlerin Paulina Sophie (aka Fuelwithpauli) bringt es auf den Punkt: "Als wären Frauenkörper Modetrends, die jede Saison ausgetauscht werden."
Auch Content Creatorin und Yogalehrerin Cecilia Lucio (aka Cicisview) kritisiert: "Solange wir Frauenkörper benennen, kategorisieren und bewerten, bleibt der Fokus derselbe: auf dem Aussehen."
Nicht nur der Name sorgt für Ärger. Im Artikel steht, dass die beschriebenen Frauen sich nicht in enge Sportkleidung zwängen, "um Männer anzuregen". Diese Aussage empfinden viele als Abwertung anderer Frauen. "In der Aussage stecken so viele Fehler", kommentiert eine Nutzerin. Enge Kleidung werde nicht automatisch getragen, um Männern zu gefallen.
Auch Leserinnen und Leser der "Zeit" finden, dass der Text andere Gruppen abwertet, um die Carbonara-Frauen hervorzuheben. Besonders Sätze über "verunsicherte Platzhirsche" und "testosterontriefende Fitnessforen" – gemeint sind Männer im Fitnessstudio – sorgen für Kritik. Der Artikel eckt also nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern an.
Nicht alle sind empört. Manche finden, die Diskussion werde dem Artikel nicht gerecht. Im Zentrum stehe die Botschaft, dass Frauen ihren Körper für sich selbst formen dürfen. Eine Nutzerin verweist auf eine Stelle im Text, in der es heißt, der Körper gehöre der Frau allein und müsse nur ihr selbst gefallen. Sie kommentiert: "Da stimme ich voll und ganz zu." Über den Titel sei aber durchaus zu streiten.
„Danke für das Wort und den Text! Das bin ich.“
In der Kommentarspalte der "Zeit" erkennen sich einige Frauen im beschriebenen Körperbild wieder. "Danke für das Wort und den Text! Das bin ich", schreibt eine Nutzerin. Eine andere findet den Beitrag inspirierend: Frauen könnten für sich selbst fit, stark und gesund sein.
Auf Instagram teilt Rabea Weihser Auszüge aus ihrem Artikel in einer Slideshow. Die Kommentarfunktion hat sie deaktiviert und schreibt dazu: "Ich habe die Kommentare deaktiviert, weil ich es für wenig zielführend halte, anhand von ein paar Auszügen einen Text von zehntausend Zeichen zu diskutieren." Die vollständige Diskussion samt Kommentarspalte gebe es auf der Website der "Zeit", so Weihser.
Laut 20 Minuten wurde die Autorin für eine Stellungnahme kontaktiert. Bis zur Veröffentlichung des Artikels blieb eine Reaktion aber aus.