Sie kommt oft lautlos, verursacht lange Zeit keine Beschwerden und wird deshalb häufig erst entdeckt, wenn die Leber bereits Schaden genommen hat. Virushepatitis zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen für Leberzirrhose und Leberkrebs. Zum Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli rücken Experten deshalb eine Botschaft in den Mittelpunkt: Wer vorsorgt, sich impfen lässt und Warnzeichen ernst nimmt, kann sich wirksam schützen – denn viele schwere Krankheitsverläufe wären heute vermeidbar.
Besonders tückisch ist, dass chronische Infektionen häufig über viele Jahre symptomlos verlaufen. Betroffene bemerken die Erkrankung oft erst dann, wenn bereits bleibende Leberschäden entstanden sind. Umso wichtiger sei es, Infektionen frühzeitig zu erkennen und gar nicht erst entstehen zu lassen. Neben gezielten Testangeboten spielen vor allem Schutzimpfungen gegen Hepatitis A und B eine entscheidende Rolle, betont der Wiener Gesundheitsverbund.
Unter dem Begriff Virushepatitis werden fünf verschiedene Viruserkrankungen – Hepatitis A bis E – zusammengefasst: Sie alle lösen Entzündungen der Leber aus, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Übertragung, ihrem Verlauf und ihren Behandlungsmöglichkeiten.
Hepatitis A und E werden meist über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser übertragen. Während Hepatitis A dank einer wirksamen Impfung gut verhindert werden kann, kommt Hepatitis E in Österreich vergleichsweise selten vor und wird in Europa hauptsächlich durch den Kontakt mit Wildtieren beziehungsweise den Verzehr nicht ausreichend erhitzter Wildprodukte übertragen. Beide Erkrankungen verlaufen in den meisten Fällen akut und heilen ohne bleibende Schäden aus.
Deutlich ernster ist Hepatitis B. Das Virus wird über Blut und andere Körperflüssigkeiten – etwa beim Geschlechtsverkehr – übertragen und kann chronisch werden. Langfristig drohen Leberzirrhose oder sogar Leberkrebs.
Zwar können moderne Medikamente die Vermehrung des Virus dauerhaft unterdrücken und schwere Folgeschäden verhindern, eine vollständige Heilung ist derzeit jedoch noch nicht möglich. Umso größer ist die Bedeutung der Schutzimpfung, die zuverlässig vor einer Infektion bewahrt. Gleichzeitig schützt sie auch vor Hepatitis D, die ausschließlich bei Menschen mit einer Hepatitis-B-Infektion auftreten kann und als schwerste Form der chronischen Virushepatitis gilt.
Große Fortschritte hat die Medizin hingegen bei Hepatitis C erzielt. Das Virus wird überwiegend durch Blut übertragen und lässt sich heute mithilfe moderner antiviraler Medikamente in den meisten Fällen innerhalb von acht bis zwölf Wochen vollständig beseitigen.
Besonders wichtig sei es, Risikogruppen möglichst früh zu erreichen. Die Klinik Ottakring hat dafür gemeinsam mit der Suchthilfe Wien ein niederschwelliges Versorgungskonzept entwickelt. Die Therapie wird unter anderem im Rahmen der Opioid-Substitution über öffentliche Apotheken angeboten. Das Ergebnis spricht für sich: Die Heilungsrate liegt laut dem Wiener Gesundheitsverbund bei mehr als 99 Prozent.
"Je früher eine Virushepatitis erkannt wird, desto besser können wir Folgeschäden verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen erhalten. Moderne Therapien ermöglichen heute bei Hepatitis C sogar eine vollständige Heilung und bei Hepatitis B und D eine wirksame Kontrolle der Erkrankung", erklärt Michael Gschwantler, Vorstand der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie an der Klinik Ottakring.
Die Erstdiagnose erfolgt oft im niedergelassenen Bereich – etwa bei auffälligen Leberwerten oder einem konkreten Infektionsverdacht. Wird eine Virushepatitis festgestellt, stehen in allen sieben Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes spezialisierte Expertenteams und moderne Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Für Gschwantler ist daher klar: "Awareness ist entscheidend, denn Virushepatitis bleibt oft über viele Jahre unbemerkt. Aufklärung und gezielte Testangebote sind der Schlüssel, um Infektionen frühzeitig zu erkennen und schwere Folgeschäden zu verhindern. Unabhängig davon gilt: Die Impfung gegen Hepatitis A und B schützt zuverlässig vor einer Erkrankung."