Die Ausgaben für Medikamente in Österreich gehen durch die Decke. Laut dem ersten Heilmittelreport des Dachverbands der Sozialversicherungsträger (DVSV) beliefen sich die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung für Heilmittel im Jahr 2025 auf 4,9 Milliarden Euro. Das ist ein Anstieg um 7,5 Prozent gegenüber 2024.
Künftig könnte der Kostendruck wegen der alternden Bevölkerung weiter zunehmen. Mit zunehmendem Alter steigt auch der Bedarf an Medikamenten. Deswegen möchte nun die Politik aktiv werden: Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) fordert etwa einen verstärkten Einsatz von Generika, also preisgünstigeren Nachahmerprodukten von bereits zugelassenen Originalmedikamenten, sowie eine zentrale Beschaffung für hochpreisige Arzneimittel.
Gleichzeitig will die SPÖ-Ministerin die Pharmaindustrie mehr in die Pflicht nehmen. Unternehmen seien gefordert, faire und nachhaltige Preise sicherzustellen, so Schumann.
"Österreich gehört keineswegs zu den Hochpreis-Ländern", betonte Alexander Herzog, Generalsekretär des Verbands der pharmazeutischen Industrie Österreichs (PHARMIG), am Donnerstag im Ö1-"Morgenjournal".
Wer nur auf die offiziellen Listenpreise schaue, greife zu kurz. "Man muss auch die gesamten Rabatte und Rückzahlungen berücksichtigen, die die Pharmaindustrie leistet", so Herzog. Unter Berücksichtigung dieser Nachlässe gehöre Österreich sogar zu den Ländern mit den niedrigsten Medikamentenkosten.
Herzog verwies zudem auf die geltende Rechtslage innerhalb der EU. Medikamentenpreise würden zwar grundsätzlich individuell zwischen den Unternehmen und den einzelnen Staaten ausgehandelt, in Österreich gelte jedoch ein besonders strenges Regulativ. Der Höchstpreis eines Medikaments dürfe hierzulande maximal dem EU-Durchschnittspreis entsprechen. "Die Unternehmen dürfen nicht mehr verlangen", erklärte Herzog. Österreich könne daher "kein teures Land sein".
Auch bei Generika sieht der PHARMIG-Boss nur begrenztes Einsparpotenzial. Österreich weise im internationalen Vergleich bereits eine hohe Generika-Quote auf. "Viel Luft haben wir nicht, aber ein bisschen geht immer", sagte Herzog.
Gleichzeitig warnte er vor einem möglichen Preisschub bei neuen Arzneimitteln. Hintergrund sind Pläne der US-Regierung, die Medikamentenpreise in den Vereinigten Staaten auf europäisches Niveau zu senken. Ziel sei es, die Kosten für innovative Therapien – etwa moderne Krebsbehandlungen – gleichmäßiger auf die Industriestaaten zu verteilen.
Während die Preise in den USA dadurch sinken könnten, müsse sich Europa auf steigende Kosten einstellen. "Die EU muss sich darauf vorbereiten, dass wir uns bei neuen Therapien auf ein deutlich höheres Preisniveau einstellen müssen", warnte Herzog.