Schumann in der "Pressestunde"

Ministerin nennt im ORF-Interview wichtiges Datum

Nirgendwo in Österreich beziehen so viele Menschen Mindestsicherung wie in Wien. Sozialministerin Schumann spricht nun ein Machtwort.
André Wilding
12.07.2026, 20:35
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Die Bundeshauptstadt ist bei der Mindestsicherung weiterhin klare Nummer eins. Aktuelle Zahlen, die der "Kronen Zeitung" vorliegen, zeigen: In keinem anderen Bundesland erhalten anteilig so viele Menschen Sozialhilfe wie in Wien. Gleichzeitig entfallen auch die mit Abstand höchsten Ausgaben auf die Hauptstadt.

Rund 7,4 Prozent der Wiener beziehen Mindestsicherung. Das bedeutet, dass etwa jeder 14. Einwohner Leistungen erhält. In Oberösterreich ist es dagegen nur jeder 268. Einwohner. "In Wien ist es jeder 14. Einwohner, während es in Oberösterreich nur jeder 268. ist, ein gravierender Unterschied", sagt Dénes Kucsera, Ökonom bei der Agenda Austria, zur "Krone".

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Wien liegt auch bei den Kosten klar vorne

Die hohe Zahl an Beziehern schlägt sich direkt in den Ausgaben nieder. Von den österreichweit rund 1,3 Milliarden Euro, die 2024 für Sozialhilfe aufgewendet wurden, entfielen 983 Millionen Euro auf Wien - also fast eine Milliarde.

Auch pro Einwohner liegt die Bundeshauptstadt deutlich über dem Rest Österreichs. Während in Wien rechnerisch 487 Euro pro Einwohner für die Mindestsicherung ausgegeben werden, liegen alle anderen Bundesländer laut den Zahlen unter der Marke von 100 Euro pro Kopf und Jahr.

Experte sieht mehrere Ursachen

Für Kucsera ist die hohe Zahl an Beziehern nicht allein durch die Größe der Stadt erklärbar. "Wir sehen aber auch in allen anderen Ländern, dass in Metropolen besonders viele Mindestsicherungs-Bezieher leben", sagt der Experte zur "Krone". Zugleich verweist der Ökonom auf die unterschiedlichen Ausgestaltungen der Sozialhilfe in den Bundesländern.

"Es hat auch Gründe der Gestaltung der Mindestsicherung, warum viele Wien als Zielort wählen", stellt er weiter klar.

Durchschnittlich 820 Euro pro Bedarfsgemeinschaft

Der Bund gibt bei der Sozialhilfe lediglich den gesetzlichen Rahmen vor. Für Alleinlebende und Alleinerziehende beträgt der maximale Betrag rund 1.209 Euro pro Monat, für Paare rund 1.693 Euro.

Laut Sozialministerium liegt die durchschnittliche Mindestsicherung pro Bedarfsgemeinschaft bei 820 Euro. Zusätzlich können je nach Situation weitere Familienleistungen oder Wohnzuschüsse hinzukommen.

Im Vorjahr sorgte unter anderem der Fall einer syrischen Familie mit elf Kindern in Wien für Schlagzeilen. Sie erhielt insgesamt 9.000 Euro, rund zwei Drittel davon aus der Mindestsicherung.

"Das kann in einem Land wie Österreich nicht sein"

Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) hat sich dazu am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" geäußert und dabei Klartext gesprochen. "Die Sozialhilfe ist das letzte Netz vor dem endgültigen Abrutschen. Wir müssen dieses Netz so gemeinsam gestalten – und auf diesem Weg sind wir – dass jene Personen, die diese Unterstützung brauchen, sie auch bekommen", stellte Schumann unmissverständlich klar.

Sonst hätten "wir wirklich ein Abrutschen ins Bodenlose. Das kann in einem Land wie Österreich nicht sein, das ist nicht unsere Zielrichtung", so die Ministerin. Gleichzeitig sei es wichtig, dass Menschen, die arbeitsfähig sind, möglichst rasch in Beschäftigung kommen. "Da haben wir bereits die ersten Schritte gesetzt", erklärt Schumann im ORF.

"Kinder sind ein ganz wichtiger Faktor"

Und weiter: "Aus der Sozialhilfe herauskommen, das muss die Zielrichtung sein!" Außerdem müsse man vor allem auf die Kinder achten. "Die Kinder sind ein ganz wichtiger Faktor. Dass wir Kindern Chancen geben und wir haben in Österreich sehr viele armutsgefährdete Kinder und hier müssen wir Maßnahmen setzen. Und wir werden das als Bundesregierung auch außerhalb der Sozialhilfe machen."

Man habe Offensivmittel von 65 Millionen Euro, die "wir dafür einsetzen werden, dass armutsgefährdete Kinder von Familien, die voll arbeiten, aber trotzdem jeden Cent umdrehen müssen und für die Kinder vielleicht nicht die Sportvereinteilhabe bezahlen können, dass wir die unterstützen, damit sie eine bessere Möglichkeit zur Teilhabe haben", so Schumann. In Österreich seien derzeit rund 180.000 Kinder armutsgefährdet.

Doch ab wann wird die "Sozialhilfe Neu" eigentlich schlagend werden? "Wir sind jetzt in den Verhandlungen und wir haben ja hier auch die Frage der Integrationsphase, die zu klären ist. Vor allem auch um die Integration von Frauen, da haben wir noch einiges aufzuholen. Alles das wird jetzt verhandelt und ich gehe davon aus, dass wir mit 01.01.2027 ein Gesamtpaket der 'Sozialhilfe Neu' mit ihren einzelnen Teilen auf den Weg bringen werden", nannte die Ministerin das entscheidende Datum.

{title && {title} } wil, {title && {title} } 12.07.2026, 20:35
Jetzt E-Paper lesen