Die Bundeshauptstadt bleibt bei der Mindestsicherung österreichweiter Spitzenreiter. Laut aktuellen Zahlen, die der "Kronen Zeitung" vorliegen, leben in Wien sowohl die meisten Bezieher als auch entstehen dort mit Abstand die höchsten Ausgaben.
Rund 7,4 Prozent der Bevölkerung in Wien beziehen Mindestsicherung. Damit erhält etwa jeder 14. Einwohner diese Leistung. Zum Vergleich: In Oberösterreich ist es nur jeder 268. Einwohner. "In Wien ist es jeder 14. Einwohner, während es in Oberösterreich nur jeder 268. ist, ein gravierender Unterschied", sagt Dénes Kucsera, Ökonom bei der Agenda Austria, gegenüber der Tageszeitung.
Der Experte verweist in der "Krone" aber auch auf einen allgemeinen Trend: "Wir sehen aber auch in allen anderen Ländern, dass in Metropolen besonders viele Mindestsicherungs-Bezieher leben." Nach Wien gibt es die meisten Bezieher in der Steiermark, Vorarlberg und Tirol. Österreichweit erhält im Schnitt jeder 45. Bürger Mindestsicherung.
Mit der hohen Zahl an Beziehern steigen auch die Kosten. Von den österreichweit rund 1,3 Milliarden Euro an Sozialhilfeausgaben im Jahr 2024 entfielen 983 Millionen Euro auf Wien - also fast eine Milliarde Euro.
Auch umgerechnet auf die Einwohner liegt Wien klar vor den anderen Bundesländern. Pro Kopf werden in der Bundeshauptstadt 487 Euro für die Mindestsicherung ausgegeben. In allen übrigen Bundesländern liegen die Kosten laut den vorliegenden Zahlen bei weniger als 100 Euro pro Einwohner und Jahr.
Kucsera sieht die Ursachen nicht nur in der Bevölkerungsstruktur. "Es hat auch Gründe der Gestaltung der Mindestsicherung, warum viele Wien als Zielort wählen", stellt der Experte in der "Krone" klar. Der Bund gibt bei der Sozialhilfe lediglich einen gesetzlichen Rahmen vor. Für Alleinlebende und Alleinerziehende liegt der maximale Betrag bei rund 1.209 Euro pro Monat, für Paare bei rund 1.693 Euro.
Nach Angaben des Sozialministeriums beträgt die durchschnittliche Mindestsicherung pro Bedarfsgemeinschaft 820 Euro. Hinzu kommen je nach Fall weitere Familienleistungen oder Wohnzuschüsse. Im Vorjahr sorgte etwa der Fall einer syrischen Familie mit elf Kindern in Wien für Aufsehen, die insgesamt 9.000 Euro erhielt, rund zwei Drittel davon aus der Mindestsicherung.
Dénes Kucsera spricht sich in der "Kronen Zeitung" deshalb für eine einheitliche Regelung in ganz Österreich aus - "mit strengen Regeln und mit einem Anreiz, nicht lange im System zu bleiben."
Mehrere Anläufe für bundesweit einheitliche Sozialhilferegeln gab es bereits. Sie scheiterten jedoch bislang. Wien zeigte sich zwar offen für eine Vereinheitlichung, pochte aber darauf, die bisherigen großzügigen Regelungen als Maßstab heranzuziehen und lehnte eine Staffelung mit steigender Kinderzahl ab.
Während mehrere Bundesländer bei der Sozialhilfe sparen, bleibt die Debatte über ein österreichweit einheitliches System weiter ungelöst.