Die Ermittlungen zur Katastrophe zeigen, dass es im Wallis gravierende Mängel beim Brandschutz gibt. Wie 20 Minuten berichtet, hatte der frühere Sicherheitschef von Crans-Montana, Siméon J., bloß eine Ausbildung als Holzfäller und nur einen zehntägigen Kurs im Brandschutz. Sein Nachfolger Christoph B. war davor als Autoverkäufer tätig und ist bei der vorgeschriebenen Brandschutzprüfung im Jahr 2024 durchgefallen.
Statt der rund 500 vorgeschriebenen Kontrollen pro Jahr wurden laut Zeitung nur 119 Inspektionen durchgeführt.
Bei ihrer Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft erklärten die Verantwortlichen, dass es zu wenig Personal und Geld gegeben habe, keine klaren Aufgabenlisten vorhanden waren und das IT-System im Jahr 2022 abgestürzt sei. Dadurch seien viele Daten und Dokumente verloren gegangen.
Laut den Aussagen des früheren Brandschutzchefs hat der Kanton Wallis sogar mehrmals die Schließung besonders gefährlicher Gebäude verhindert. Die Protokolle dazu liegen der SonntagsZeitung vor.
Siméon J. wird darin so zitiert: "Als ich in Crans-Montana und auch in Evionnaz tätig war, hatte ich Gutachten erstellt, um die Schließung sehr gefährlicher Gebäude zu erwirken, was uns jedoch vom Kanton verweigert wurde." Es ging dabei um Häuser mit Personalunterkünften "ohne Brandabschnitte und ohne jegliche Brandschutzvorrichtungen".
Nach dem Unglück im "Le Constellation" wurden die Kontrollen zwar verschärft, ein Hotel musste sogar zusperren. Trotzdem sind bis heute nicht alle Gebäude in Crans-Montana brandschutzkonform.
Auf die Frage, ob jetzt alle Betriebe die Vorschriften erfüllen, sagt Christoph B.: "Einige entsprechen ihnen, andere nicht. Aber es laufen Fristen für die Mängelbehebung oder für die Einreichung von Sicherheitsberichten."
Es gab anscheinend keinen klar geregelten Aufgabenbereich für die Sicherheitsbeauftragten. In seiner Aussage berichtet Siméon J., dass er zwar kein Pflichtenheft, aber viele verschiedene Aufgaben gehabt hat: Er prüfte Unterlagen für Neubauten, besichtigte Immobilien, genehmigte neue Wohn- und Geschäftsräume und kontrollierte die vielen thermischen Anlagen in Crans-Montana.
"Ich war [aber] auch für das Mähen von Wiesen und die Bearbeitung von Feuerwerksanträgen zuständig", so der ehemalige Sicherheitschef.
Trotz all dieser Vorwürfe wehrt sich der Kanton Wallis weiterhin dagegen, eine Mitschuld am Versagen der Brandschutzkontrollen in Crans-Montana zu übernehmen.