Eltern von Leonie (13): "Bitte verurteilt uns nicht!"

Leonie: Hier auf einem Schiff am Mondsee (Foto von Mutter ausgesucht und freigegeben)
Leonie: Hier auf einem Schiff am Mondsee (Foto von Mutter ausgesucht und freigegeben)privat
Tapfer, aber verzweifelt, hanteln sich die Eltern von Leonie von Tag zu Tag: "Vier Verdächtige, wir ertragen es kaum. Und dann werden wir gehasst."

Mobil-Pflegerin Melanie P. (40) aus Tulln an der Donau (NÖ, gebürtig aus Nürnberg) versucht für ihre Familie stark zu sein, wird immer wieder von Weinkrämpfen geschüttelt, fasst sich aber wieder schnell: "Drei Tage habe ich nichts gegessen, jetzt habe ich mir Astronautennahrung besorgt. Es muss ja irgendwie weitergehen, meine vier Kinder brauchen mich."

"Wann hört das auf?"

Im mehrmaligen Telefonat mit "Heute" am Donnerstag fragte sie flehend: "Dritter, vierter Verdächtiger. Wann hört das bitte auf? Einen hätte ich noch irgendwie verstehen können, aber gleich so viele rund um mein hübsches Kind ..."

"Wir werden als Rabeneltern bezeichnet. Das sind wir aber nicht", sagt Vater Hannes W. (39)

Die Familie aus Tulln leidet sehr unter einigen Hasskommentaren in sozialen Netzwerken. "Wir werden als Rabeneltern dargestellt. Das sind wir nicht", stellt Papa Hannes W. klar. "Wir konnten ja unser Kind nicht anketten und einsperren. Sie war rebellisch und tat stets das, was ihr halt grad Spaß machte und das sagte sie uns auch stets so. Ein Freigeist halt", fügt der Notfallsanitäter hinzu.

Laut Jugendschutz dürfen Personen bis 14 Jahre von 5 bis 23 Uhr an öffentlichen Plätzen und Events ohne Eltern sein. Immer wieder waren Leonies nächtliche Ausflüge Streitthema in der Familie. "Darum schalteten wir das Jugendamt ein, Leonie war auch in einem Krisenzentrum. In Hollabrunn etwa eine Woche lang. Dann versuchten wir es mit strengen Heimkehrzeiten. 18, 19 Uhr, dann 20 Uhr, also sukzessive Steigerung. Das ging eine Zeitlang gut und dann kam Leonie einfach nicht nach Hause und wir gingen zur Polizei bzw. suchten unsere Tochter", so die Eltern, die Leonie via "Heute" und Opfer-Anwalt Florian Höllwarth eine Stimme geben wollen.

"Aber wir bestimmen wann und mit wem wir reden. Wir wollten gestern schon zum Obi fahren und Bambusmatten kaufen, um den Gartenzaun zudecken wegen der vielen, nervigen Fragen. Überall lauern derzeit Menschen", sagt Melanie P.

Kurz will mit Eltern reden

Doch es gibt auch aufmunternde Worte für die gebeutelte Familie von mehreren Seiten: "Das Innenministerium kontaktierte mich am Donnerstag und wollte wissen, ob es möglich sei, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz Kontakt zur Familie aufnimmt", erklärt Opfer-Anwalt Florian Höllwarth.

Die Nürnbergerin und der gebürtige Welser geben weder der Schule noch dem Jugendamt die Schuld. "Schuld sind primär diese Typen und teils die Politik. Aber verurteilt uns doch nicht. Wir haben Leonie über alles geliebt, der Verlust zerreißt uns das Herz", sagen die Eltern. Die Mutter ergänzt: "Unser jüngster Sohn sagte, dass die Zeit jetzt sehr schwer werde für die Familie. Aber so schwer ... damit hat er auch nicht gerechnet."

Rebellische Leonie

Leonie sei laut Mutter in der Sportmittelschule in Wien-22 eine ausgezeichnete Schwimmerin gewesen, der Wechsel in eine Tullner Schule sei für die 13-Jährige nicht leicht gewesen. "Sie hatte einen starken Willen. Wenn sie nicht in die Schule wollte, dann ging sie nicht. Wenn sie nicht heimkommen wollte, dann kam sie nicht. Sie war ein Rebell. Und wir erzogen unsere Kinder stets antiautoritär und auf Selbstständigkeit."

Im zweistündigen Interview am Mittwoch erzählte Mama Melanie P. die ganze, leider viel zu kurze, Lebensgeschichte von Leonie - das Interview finden Sie hier.

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