Eine Woche nach dem spektakulären Bruch mit den NEOS meldet sich Mitbegründer Veit Dengler (57) erneut zu Wort. In einem Interview mit dem "Kurier" spricht er über seine Schmerzen nach dem Rauswurf, sein Politikverständnis und sein persönliches Verhältnis zu Beate Meinl-Reisinger.
Der Ausschluss aus dem Klub sei für Dengler schmerzhaft gewesen, "weil NEOS natürlich mein Baby ist". Allerdings spart er auch nicht mit Kritik am aktuellen Kurs seiner Ex-Partei. "NEOS hat sich etabliert, neigt manchmal aber auch zur Selbstverzwergung." Mit dem Gedanken, wonach eine liberale Partei nie mehr als zehn Prozent erreichen könne, werde man ein Land nicht verändern, so Dengler.
Laut dem Abgeordneten hätten die NEOS den Hang dazu, kleine Erfolge groß zu verkaufen. Als Beispiel nennt er die Nationalratswahl 2024: "Wir haben nur ein Prozent zugelegt. Wenn gleichzeitig ÖVP und Grüne zusammen 17 Prozent verlieren, haben wir die Wahl nicht gewonnen, sondern eine große Gelegenheit versäumt", resümiert er.
Generell seien die Pinken anderen Parteien ähnlicher geworden. "In der Spitze bespricht ein kleiner Kreis, was wie gemacht und kommuniziert wird. Dann wird das allen anderen mitgeteilt, und die sollen es wiederholen. Das passt nicht zur NEOS-Gründungsidee", so Dengler.
Der 57-Jährige packt im Gespräch auch über die internen Abläufe im NEOS-Klub aus. Dieser sei ein sehr junger und talentierter Klub. Dengler: "Es gibt Beate, die eine Berufspolitikerin ist, und eine Gruppe von über oder unter 30-Jährigen, die zwar zum Teil sehr talentiert sind, aber keine Erfahrung haben. Manche haben nicht einmal andere Führungserfahrung. Beate Meinl-Reisinger ist das Einzige, was sie erlebt haben."
Dengler zeichnet außerdem ein persönliches Bild der NEOS-Chefin. "Wir hatten nicht so viel miteinander zu tun. Wir waren bei der Gründung die Stellvertreter von Matthias Strolz. Beate war immer eine sehr robuste Persönlichkeit, die klar gesagt hat, was sie will." Die größte Gefahr in Führungspositionen sei laut dem Abgeordneten, dass niemand mehr ehrlich mit einem spreche. Man müsse verstehen, was die Menschen wirklich denken. "Wenn man das nicht im Auge hat, kann man schnell abgehoben werden", so Dengler.