Unsterblichkeit klingt nach Science-Fiction, doch in der Tierwelt gibt es tatsächlich Lebewesen, die dem ewigen Leben erstaunlich nahekommen. Dazu gehören sogenannte Hydren – winzige Süßwasserpolypen, die ihren Körper ständig erneuern und sogar verlorene Körperteile nachwachsen lassen können. Auch im Tiroler Piburger See lebt eine besonders faszinierende Art: Hydra oligactis. Wissenschaftler der Universität Innsbruck untersuchen nun, warum diese Tiere plötzlich altern können – und wie sich dieser Prozess beeinflussen lässt.
Hydren sind nur wenige Millimeter groß und besitzen außergewöhnliche Regenerationsfähigkeiten. Manche Arten zeigen unter günstigen Bedingungen praktisch keine Alterserscheinungen. Doch Hydra oligactis hat eine Besonderheit: Sinkt die Wassertemperatur, kann sie von ungeschlechtlicher auf geschlechtliche Fortpflanzung umschalten. Dieser Wechsel hat einen hohen Preis: Die Tiere verlieren Stammzellen, beginnen zu altern und können schließlich sterben.
Genau dieses Phänomen untersuchte ein Innsbrucker Forschungsteam. Dabei entdeckten die Wissenschaftler, dass während des Alterungsprozesses die Konzentration von Taurin im Körper der Tiere drastisch abnimmt.
Taurin ist eine Substanz, die auch im menschlichen Körper vorkommt. Als die Forscher den Hydren zusätzlich Taurin verabreichten, zeigte sich ein bemerkenswerter Effekt: Der Verlust bestimmter Stammzellen konnte teilweise rückgängig gemacht werden. Gleichzeitig veränderte sich die Fortpflanzung der Tiere wieder stärker in Richtung ungeschlechtlicher Vermehrung.
Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal Aging Cell, könnten auch für die menschliche Altersforschung von Bedeutung sein. Denn grundlegende Mechanismen des Alterns ähneln sich bei vielen Lebewesen. Eine lebensverlängernde Wirkung von Taurin beim Menschen ist damit allerdings keineswegs bewiesen.
Die Universität Innsbruck beschäftigt sich bereits seit Jahren mit den faszinierenden Wasserbewohnern. Schon 2023 entschlüsselten Forscher das Erbgut von Hydra oligactis anhand eines Exemplars aus dem Tiroler Piburger See. Die aktuelle Entdeckung liefert nun weitere Hinweise darauf, warum Stammzellen altern und ihre Regenerationsfähigkeit verlieren. Vielleicht helfen die unscheinbaren Süßwasserpolypen eines Tages sogar dabei, den menschlichen Alterungsprozess besser zu verstehen.