Arbeit, Wohnung, Bordell

Handydaten verraten Österreichs Geheimdienstmitarbeiter

Vor Ort schützen Schranken und Sicherheitsschleusen Österreichs Nachrichtendienste. Doch frei erwerbbare Handy-Daten legen ihre Mitarbeiter blank.
Nick Wolfinger
24.09.2026, 14:14
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Es ist ein enormes Sicherheitsrisiko mitten in Österreich. Wie eine monatelange Recherche des Nachrichtenmagazins NEWS nun aufdeckt, lassen sich die Wege von Mitarbeitern von Nachrichtendiensten, Polizei und Bundesheer anhand kommerziell erhältlicher Smartphone-Standortdaten nachvollziehen.

Grundlage ist ein Datensatz mit Standortinformationen von 562.448 Smartphones aus Österreich aus dem Herbst 2024. Was ursprünglich unter anderem für Werbezwecke gesammelt wird, kann plötzlich Arbeitsplätze, Wohnorte und höchst private Wege offenlegen.

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Vom Geheimdienst bis vor die Haustür

Besonders brisant: In den Daten finden sich Smartphones an sensiblen Standorten des österreichischen Sicherheitsapparats. Dazu zählt etwa die Maria-Theresien-Kaserne in Wien, in der das Heeres-Nachrichtenamt (HNaA) sitzt.

Selbst wenn die GPS-Ortung am Handy deaktiviert ist, ist kein vollständiger Schutz garantiert: Smartphones können ihren Standort auch über WLAN, Mobilfunk oder andere Signale bestimmen und weitergeben.

Während man vor Ort also Wachsoldaten und Sicherheitsschleusen passieren muss, hinterlassen Smartphones jede Menge digitale Spuren. Bei einem mutmaßlichen HNaA-Mitarbeiter ließ sich der Weg vom Arbeitsplatz bis zu seinem Wohnort in Niederösterreich nachvollziehen. Besonders kurios: Sein Haus ist auf Google Maps als einziges in der Nachbarschaft verpixelt – was eher mehr Aufmerksamkeit erregt, als sie zu verringern.

Daten könnten Bordellbesuche entlarven

Ähnliches zeigt sich beim österreichischen Staatsschutz. Innerhalb der Rennwegkaserne, Sitz der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), wurden 37 Smartphones aus dem untersuchten Datensatz geortet. Auch bei Polizisten konnten private Aufenthaltsorte und persönliche Wege nachvollzogen werden.

Die Standortdaten machen detaillierte Bewegungsprofile sichtbar. So ließen sich beispielsweise auch Bordellbesuche aufdecken. Bei der NEWS-Recherche wurde allerdings kein Bordellbesuch eines Mitarbeiters einer Sicherheitsbehörde festgestellt. Das Beispiel zeigt, welches kompromittierende Potenzial solche Daten grundsätzlich haben. Ausländische Geheimdienste könnten solche Informationen nutzen, um Mitarbeiter für Anwerbeversuche ins Visier zu nehmen oder im schlimmsten Fall zu kompromittieren.

Bewegungsprofile ganz ohne Hacker-Angriff

Hinter dem Problem steht ein riesiger Datenmarkt. Smartphones und Apps sammeln Standortinformationen unter anderem für Werbezwecke. Über Zwischenhändler können solche Daten schließlich kommerziell angeboten werden.

Diese Form der Informationsgewinnung wird "Advertising-based Intelligence", kurz ADINT, genannt. Statt ein Smartphone aufwendig zu hacken, werden bereits vorhandene kommerzielle Daten ausgewertet.

Ministerien kennen Gefahr

Innen- und Verteidigungsministerium erklärten gegenüber NEWS, dass die mit solchen Daten verbundenen Sicherheitsrisiken bekannt seien. Beide Ressorts verweisen auf Schulungen sowie technische und organisatorische Schutzmaßnahmen.

Die Recherche legt dennoch eine brisante Schwachstelle offen: Ein Testdatensatz und vergleichsweise einfache Mittel reichten aus, um digitale Spuren aus hochsensiblen Einrichtungen bis ins Privatleben zu verfolgen.

Während Schranken, Zäune und Sicherheitsschleusen Österreichs Nachrichtendienste vor Eindringlingen schützen kann das Handy in der Hosentasche trotzdem verraten, wer dort arbeitet – und wohin er nach Dienstschluss fährt.

NW,24.09.2026, 14:14