Im Fall der mutmaßlichen Vergewaltigungsserie von Marchtrenk in Oberösterreich gibt es neue, schwer belastende Aussagen. Wie die "Krone" unter Berufung auf ein Polizeiprotokoll berichtet, hat nun die jüngste Schwester des inhaftierten Ehemanns (51) ausgesagt.
Sie hatte ihrem Bruder zwei Tage nach dem Tod seiner Ehefrau in der Wohnung der gemeinsamen Mutter kondoliert. Danach wollte sie gehen. Der 51-Jährige soll ihr nachgelaufen sein – "lachend, sogar ein bisschen stolz", habe er ihr dann ungefragt grausige Details aus den letzten Stunden der Toten erzählt.
Im Protokoll wird die Schwester mit einer besonders schweren Aussage zitiert. Der Mann habe gesagt, seine Ehefrau sei "beim Sex gestorben" und "er sie umgebracht hat". Die Frau gab demnach weiter an, sie habe nachgefragt, wie das möglich sei. Auf die Antwort des Verdächtigen geht die Aussage in drastischer Form ein – "Heute" verzichtet an dieser Stelle auf ein Zitat der horrenden Details.
Der 51-Jährige war nach dem Tod seiner Frau zunächst nicht festgenommen worden, weil die Ermittler anfänglich von einem tragischen Unfall ausgehen mussten. Erst als die Obduktion feststellte, dass die schwersten Wunden im Unterleib der Frau nicht zu der Darstellung ihres Ehemanns passten, wurde er festgenommen.
Zudem verdichtete sich der Verdacht, dass die 39-Jährige über längere Zeit schwer missbraucht worden sein könnte. Im Raum steht inzwischen der Vorwurf, der Ehemann habe seine Frau mit großen Mengen Alkohol gefügig gemacht und sie anderen Männern zum sexuellen Missbrauch überlassen. Die Schwester gab laut Protokoll an: "Fremde Männer sind bei dem Paar ständig ein und aus gegangen."
Außerdem soll der 51-Jährige damit geprahlt haben, seine Frau für 500 Euro an andere verkauft zu haben. Auch anzügliche Bilder der 39-Jährigen soll er ungefragt herumgezeigt haben.
Neben dem Ehemann sitzt auch ein weiterer 51-jähriger Mann in Haft. Er soll einer jener Männer gewesen sein, die in der mutmaßlichen Vergewaltigungsserie eine zentrale Rolle gespielt haben. Die Ermittler sollen umfangreiche Chatverläufe ausgewertet haben.
Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe
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Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
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"Heute" berichtete bereits über die Reaktion von ORF-Moderator Armin Wolf in der ZIB2. Er zeigte sich bei der Anmoderation des Nachrichtenbeitrags fassungslos über das, was sich die beiden Männer getextet hatten: "Die Chat-Nachrichten zwischen ihnen sind derart widerwärtig, dass es einem beim Lesen den Magen umdreht."
Die Ermittlungen sind nach wie vor nicht abgeschlossen. In den Chats sollen weitere Verdächtige auftauchen. Die Schwester des Hauptverdächtigen fand in ihrer Aussage klare Worte. Sollte sich bestätigen, dass er seine Frau umgebracht habe, sei er für sie "das absolut Letzte".
Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Justizministerin Anna Sporrer reagierte in der ZIB2 ebenfalls mit deutlichen Worten. Der Fall zeige ein Muster auf: Männer würden sich bemächtigen, über Frauen zu bestimmen. Es gehe um Kontrolle, im schlimmsten Fall bis zum Tod. Als Gesellschaft müsse man sich geschlossen dagegenstellen, sagte die Ministerin sinngemäß. Nötig sei ein Bewusstseinswandel.
Sporrer verwies auch auf geplante Änderungen im Sexualstrafrecht. Schon der Besitz realer Vergewaltigungsvideos soll künftig unter Strafe gestellt werden. Die Versendung und Verbreitung solcher Inhalte ist bereits strafbar. Die Arbeitsgruppe zur Reform des Sexualstrafrechts soll im September starten.
„Ich bin wirklich fassungslos, dass ich als Justizministerin mehr oder weniger jedes halbe Jahr vor neuen Phänomen stehe, die geregelt werden müssen“Anna SporrerJustizministerin über neue Formen von Sexualdelikten
Auch neue digitale Phänomene wie Deepfakes sollen rechtlich neu bewertet werden. Sporrer sagte dazu: "Wir werden uns jetzt daran machen, auch diese Lücken zu schließen."