Österreich in der Krise

"Kommt nicht überraschend" – Meteorologe erstaunt

Europa droht ein Versorgungsengpass beim Sprit. Das kommt nicht überraschend, doch Marcus Wadsak wundert sich, dass Sparmaßnahmen kaum Thema sind.
Newsdesk Heute
15.04.2026, 21:00
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Der US-israelische Angriffskrieg gegen den Iran hat weiter gravierende Folgen für die Weltwirtschaft. Während seines Arbeitsbesuchs in Indien ließ Wolfgang Hattmannsdorfer mit einer besorgniserregenden Prognose aufhorchen.

Der Wirtschaftsminister rechnet mit einem Lieferengpass bei Treibstoffen im Mai: "Die Verwerfungen in den letzten Wochen werden zeitverzögert auch in Europa ankommen". Rund fünf Prozent Diesel und 15 Prozent Kerosin würden Mitte Mai in Europa voraussichtlich fehlen. Das werde natürlich auch "Auswirkungen auf den Preis" haben.

Die letzten Schiffe mit Vorkriegs-Öl aus der Straße von Hormus sind inzwischen in ihren Zielhäfen eingelaufen. Österreich ist dank der staatlichen Reserven gut auf den Ernstfall vorbereitet. Trotzdem wolle man bei den Menschen mehr Bewusstsein schaffen. "Jeder sollte überlegen, wo er Energie sparen kann", betonte Hattmannsdorfer. Sollte es tatsächlich zu einer Mangellage kommen, werde die Regierung über etwaige Maßnahmen beraten.

Der Engpass hatte sich seit Wochen abgezeichnet und kommt also nicht überraschend. In einem Facebook-Beitrag wundert sich der bekannte Meteorologe Marcus Wadsak, dass Sparmaßnahmen dennoch kaum Thema sind.

"Wir diskutieren immer noch lieber den Spritpreis als Themen wie Effizienz, Einsparen, Tempo-Reduktion...", schreibt er. Und weiter: "Wir fragen uns nicht, ob alles was Flügel hat, fliegen muss und jede Autofahrt nötig ist.... Warum eigentlich nicht?"

Aufzuarbeiten gäbe es da gesellschaftlich genug. Beispielsweise bei der Tempo-Reduktion auf Autobahnen gehen die Meinungen zum Nutzen weit auseinander.

Tempo 100 spart Sprit

"Wenn das Angebot an Erdöl knapper wird und deshalb der Preis steigt, ist es Aufgabe der Politik, Maßnahmen zu setzen, damit der Verbrauch sinkt", sagt dazu VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Niedrigere Tempolimits seien in der Verkehrswissenschaft als sinnvoll anerkannt, kosten wenig, bringen viel.

Der VCÖ verweist auf Angaben des Umweltbundesamts, wonach ein Tempolimit 100 auf Autobahnen und Schnellstraßen sowie Tempolimit 80 auf Freilandstraßen den Spritverbrauch um bis zu 25 Prozent reduzieren könnte. Hochgerechnet geht es da um rund 270 Millionen Liter Jahr, sagt er: "Angesichts der Sperre der Straße von Hormus sind Maßnahmen zur Verringerung des Spritverbrauchs essentiell. Je früher wir beginnen, umso länger ist die Versorgungssicherheit garantiert."

Für den ÖAMTC sind solche gesamtwirtschaftlichen Einsparungsrechnungen "unseriös". Aber: "Es ist unstrittig, dass bei einer einzelnen, konstanten Autobahnfahrt mit Tempo 100 statt 130 unter Idealbedingungen bis zu 25 Prozent Kraftstoff eingespart werden können. Daher empfehlen wir auch stets vorausschauend zu fahren und das Tempo anzupassen. Die Wirkung eines niedrigeren Tempolimits auf den Gesamtspritverbrauch in Österreich lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Dieser sinkt bei allgemein Tempo 100 um etwa drei Prozent", kontert Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung.

Als Alternative zu einer bei den Österreicher:innen sehr unpopulären Absenkung von Tempolimits schlägt der ÖAMTC vor, über eine Anpassung der Ampelschaltungen in der Stadt in Richtung "Grüne Welle" sowie ein Überholverbot für Lkw auf zweispurigen Autobahnen nachzudenken. Wiesinger: "Beides zusammen würde mehr Sprit sparen als ein Tempolimit für Pkw auf Autobahnen und Schnellstraßen."

{title && {title} } red, {title && {title} } 15.04.2026, 21:00
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