Nach dem tödlichen Gewaltverbrechen an einer jungen Lehrerin versucht die Mittelschule Taufkirchen an der Pram einen behutsamen Neustart. Der damalige Tatort wurde umgestaltet, die Bibliothek übersiedelte – und gemeinsam mit den Schülern soll ein Gedenkort für die Pädagogin entstehen.
"Wir sind noch immer dabei, die Tat zu akzeptieren. Aber wir schauen sehr positiv ins neue Schuljahr", so Direktor Hans Peter Rockenschaub gegenüber "OÖN".
Wie "Heute" berichtete, war im Juni die junge Pädagogin in der Schule von einem Kollegen getötet worden. Der Täter erschoss sich wenig später während einer Autofahrt selbst. Seither beschäftigt die Aufarbeitung des Geschehenen die gesamte Schulgemeinschaft.
Das vergangene Schuljahr endete mit einer Trauerfeier und viel Zeit für die Verarbeitung der Tat. Bereits in den ersten beiden Ferienwochen begannen anschließend Umbauarbeiten.
Die rund 3.000 Bücher wurden aus der bisherigen Bibliothek, in der die Tat stattgefunden hatte, entfernt. Die Bücherei befindet sich nun am anderen Ende des Schulgebäudes. "Der neue Raum ist südseitig gelegen, sehr sonnig und mit Zugang auf unsere Terrasse", sagt Rockenschaub.
Sofas, Teppiche, Lernbereiche, Liegestühle und weitere Dekoration sollen aus dem neuen Raum einen Ort zum Lernen und Verweilen machen.
Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
Polizei-Notruf: 133
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Auch die Gemeinde unterstützte den Umbau. "Wir haben uns ganz nach den Wünschen der Pädagogen gerichtet", sagt VP-Bürgermeister Paul Freund. Unter anderem wurde eine Wand durchbrochen, um zwei Räume miteinander zu verbinden und genügend Platz für die Bibliothek zu schaffen.
Freund stand während des Sommers immer wieder mit dem Direktor in Kontakt. "Uns war es wichtig, dass alle Arbeiten noch in den Ferien fertig werden, damit die Schüler einen möglichst normalen Start ins Schuljahr haben." Die Arbeiten konnten rechtzeitig abgeschlossen werden.
Auch die frühere Bibliothek wurde verändert. Der Raum erhielt neue Teppiche und einen hellen Anstrich. "Das wirkt jetzt ganz anders", sagt Direktor Rockenschaub.
Künftig könnte der Raum für die Nachmittagsbetreuung verwendet werden. Ob das tatsächlich passiert, will die Schule gemeinsam entscheiden. "Ganz ohne Druck oder Zwang. Wir werden mit den Lehrern und Kindern besprechen, ob sie das möchten", sagt Rockenschaub.
Sollten sich Lehrer oder Schüler damit nicht wohlfühlen, stehen andere Räume zur Verfügung.
Der Betrieb hat inzwischen bereits wieder begonnen. Seit Montag besuchen 21 Kinder die Sommerschule in Taufkirchen an der Pram. "Ich habe das Gefühl, die haben das alle gut verarbeitet. Alle sind fröhlich, angesprochen hat das Thema bisher noch niemand", sagt Rockenschaub.
Mit 14. September beginnt dann für alle Schüler wieder der reguläre Unterricht. Trotz der dramatischen Ereignisse hat kein Kind die Schule verlassen. "Gewechselt hat niemand", sagt der Direktor.
Auch zwei neue Lehrerinnen starten an der Mittelschule. Das neue Schuljahr soll "behutsam" beginnen. Zum Auftakt ist wie jedes Jahr ein Gottesdienst vorgesehen, danach gehen die Schüler gemeinsam mit ihren Klassenvorständen in die Schule. Während der ersten Schulwoche soll zudem jede Klasse die neue Bibliothek kennenlernen.
Für die vierte Klasse der getöteten Pädagogin übernimmt künftig ein anderer Lehrer die Verantwortung. "Die Kinder haben sich ihn als Klassenvorstand gewünscht", sagt Rockenschaub. Der Lehrer sagte sofort zu. Laut Direktor hatte er bereits zuvor einen guten Draht zu den Schülern.
Noch nicht entschieden ist, wie dauerhaft an die getötete Lehrerin erinnert werden soll. Rockenschaub möchte diese Frage zuerst mit den Schülern besprechen.
Fest steht für ihn lediglich, dass sich der Gedenkort nicht innerhalb des Schulgebäudes befinden soll. Weil die verstorbene Pädagogin sehr naturliebend war, kann sich der Direktor einen Platz im Schulgarten vorstellen.
Rockenschaub bedankt sich außerdem bei allen, die die Schule in den vergangenen Wochen unterstützt haben – darunter die Gemeinde, Schulpsychologen und die Bildungsdirektion. "Wir haben immer alles bekommen, was wir gebraucht haben. Auch dadurch konnten wir den Vorfall so gut verarbeiten."
Besonders hebt der Direktor sein eigenes Team hervor. Viele Kollegen waren trotz der persönlich belastenden Situation für die Kinder da und halfen sogar während der Ferien beim Umbau mit. "Solche Kollegen kann man sich nur wünschen."