Mit Schreien, Gesang und wirren Auftritten sorgten die Eltern der in Portugal ausgesetzten Kinder vor Gericht für Aufsehen. Nun steht der Verdacht im Raum, dass die bizarre Vorstellung bewusst inszeniert gewesen sein könnte.
Wie portugiesische Medien berichten, sollen sich die beiden Beschuldigten nach ihrer Festnahme im Polizeiauto abgesprochen haben. Ein portugiesischer Beamter, der Französisch spricht, habe gehört, wie das Paar sagte: "Wir müssen verrückt wirken".
Der Polizist meldete den Vorfall laut Bericht sofort dem Gericht. Demnach sollen die beiden außerdem geplant haben, nicht mit den Behörden zusammenzuarbeiten.
Als die 41-jährige Mutter und ihr 55 Jahre alter Partner am Freitag am Ermittlungsgericht in Setúbal vorgeführt wurden, kam es zu bizarren Szenen. Bereits im Polizeitransporter begann die Frau lautstark Opernarien zu singen. Ihr Partner rief den Umstehenden "je vous aime" („Ich liebe euch“) zu.
Den beiden wird vorgeworfen, zwei kleine Kinder im Alter von drei und fünf Jahren am Dienstagabend nahe Monte Novo do Sul ausgesetzt zu haben. Laut Ermittlern sollen die Jungen mit verbundenen Augen an einer Straße zurückgelassen worden sein – bei Temperaturen um die 30 Grad.
Gefunden wurden die Kinder von einem Augenzeugen. Die beiden hätten lediglich etwas Kleidung, Obst und eine Flasche Wasser bei sich gehabt.
Nach ihrer Rettung kamen die Kinder zunächst ins Spital und wurden später der französischen Botschaft übergeben. Das Paar wurde zwei Tage später in einem Café in Fátima festgenommen – rund zwei Autostunden vom Ort des Geschehens entfernt.
Die portugiesischen Behörden ermitteln wegen häuslicher Gewalt, Aussetzung und Vernachlässigung von Kindern. Zusätzlich liegen aus Frankreich zwei europäische Haftbefehle gegen die Beschuldigten vor. Ihnen wird vorgeworfen, die später ausgesetzten Kinder entführt zu haben. Außerdem sollen sie einen weiteren Sohn der Frau, einen 16-Jährigen, in Frankreich zurückgelassen haben.
Am Samstag entschied eine Richterin schließlich, dass die 41-Jährige und ihr Partner in Untersuchungshaft bleiben. Begründet wurde dies mit dem Vorwurf "der schweren Körperverletzung, Gefährdung und Aussetzung".
Im französischen Wohnort des Paares verfolgen Nachbarn den Fall mit großer Aufmerksamkeit. Einige vermuten, dass die Frau tatsächlich psychische Probleme haben könnte. Ob die auffälligen Szenen vor Gericht echt oder gespielt waren, bleibt jedoch offen. An der Entscheidung der Richterin änderte der Auftritt jedenfalls nichts – das Paar bleibt in Haft.