Wer mit 55 oder 60 Jahren seinen Job verliert, hat oft noch viele Jahre bis zur Pension vor sich. Genau diese Gruppe profitiert laut arbeit plus vom neuen Gesetzespaket "Arbeiten im Alter" kaum – obwohl ältere Menschen besonders häufig von verfestigter Arbeitslosigkeit betroffen sind.
Der Sozialausschuss des Nationalrats beschloss das Paket am 9. September. Im Mittelpunkt steht ein Steuerfreibetrag für Menschen, die das gesetzliche Pensionsalter bereits erreicht haben und trotzdem weiterarbeiten.
Für arbeit plus setzt die Regelung damit an der falschen Stelle an. "Das Gesetz heißt Arbeiten im Alter, gemeint ist aber vor allem das Arbeiten in der Pension", so Sabine Rehbichler, Geschäftsführerin von arbeit plus. "Jene Gruppe, die es am dringendsten braucht, erreicht es kaum: Menschen, die mit 55 oder 60 arbeitslos werden und ein schrittweise steigendes Pensionsantrittsalter vor sich haben."
Gleichzeitig warnt der Dachverband vor einer weiteren Änderung, die ältere Arbeitnehmer für Unternehmen künftig teurer machen könnte. Bislang mussten Arbeitgeber für Beschäftigte über 60 Jahre einen Teil der Dienstgeberbeiträge nicht bezahlen.
Diese Ausnahme soll ab 2028 wegfallen. Damit steigen die Kosten für einen 62-jährigen Arbeitnehmer. Ein gleichaltriger Pensionist, der weiterhin arbeitet, soll dagegen vom neuen Steuerfreibetrag profitieren.
Schon jetzt haben ältere Arbeitslose schlechte Karten. Drei von vier österreichischen Unternehmen würden überhaupt keine Menschen über 60 Jahren beschäftigen.
Auch die Arbeitsmarktdaten für August 2026 zeigen die Probleme: Bei den arbeitslosen 60- bis 64-Jährigen gelten 55,5 Prozent als langzeitbeschäftigungslos. Bei Arbeitslosen ab 50 Jahren sind es 46,2 Prozent.
Besonders problematisch sei, dass ein höheres Pensionsantrittsalter nicht automatisch bessere Jobchancen für Ältere bedeutet.
"Das Pensionsantrittsalter steigt, die Beschäftigungschancen ab 50 steigen nicht mit. Wer heute mit 55 seinen Arbeitsplatz verliert, hat vor sich zehn Jahre bis zur Pension und hinter sich einen Arbeitsmarkt, der ihn nicht mehr will", so Rehbichler. Das Problem liege dabei nicht an mangelnder Bereitschaft der Betroffenen, sondern an Unternehmen, die sie einstellen.
arbeit plus fordert deshalb ein Bonus-Malus-System. Unternehmen, die viele ältere Menschen beschäftigen oder im Betrieb halten, könnten dabei bei den Lohnnebenkosten entlastet werden. Firmen mit einem niedrigen Anteil älterer Beschäftigter müssten dagegen mehr bezahlen.
Derzeit ist lediglich vorgesehen, Unternehmen mit wenigen älteren Beschäftigten schriftlich darauf hinzuweisen. Der Dachverband rechnet nicht damit, dass dies das Verhalten der Arbeitgeber wesentlich verändert.
Lange Arbeitslosigkeit vor der Pension kann laut der Organisation zu niedrigeren Pensionsansprüchen und damit zu Altersarmut führen. Gleichzeitig entstehen Folgekosten durch fehlende Beiträge und Kaufkraft sowie höhere Ausgaben im Gesundheits- und Sozialsystem.