Reform in Begutachtung

Neuer Zivildienst-Rekord – doch Bauer schlägt Alarm

So viele junge Männer wie noch nie entscheiden sich für den Zivildienst. Doch Ministerin Bauer warnt vor einem Engpass und drängt auf die neue Reform.
Lara Heisinger
10.10.2026, 20:24
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Österreichs Zivildienst steht vor einem großen Umbau. Während sich so viele junge Männer wie noch nie für den Dienst entscheiden, plant die Bundesregierung eine Verlängerung auf elf Monate. Für die Betroffenen soll es dabei mehrere Möglichkeiten geben, die zusätzliche Dienstzeit zu absolvieren.

So viele Zivildiener wie noch nie

Der Zivildienst ist bei jungen Österreichern gefragter denn je. Zwischen Jänner und September 2026 wurden insgesamt 12.901 Zivildiensterklärungen abgegeben. Das sind sechs Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres – und ein neuer Rekord für die ersten neun Monate eines Jahres.

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Mit Stichtag 1. Oktober standen österreichweit 10.760 Zivildiener im Einsatz. Seit Jahresbeginn haben 10.051 junge Männer ihren Dienst angetreten, um 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Bedarf der rund 1.500 Einrichtungen mit mehr als 3.000 Einsatzstellen liegt bei 11.406 Plätzen. Davon konnten bisher 88,1 Prozent besetzt werden. Das entspricht einer Steigerung um 0,9 Prozentpunkte. Bis zum Jahresende wird damit gerechnet, dass die Bedarfsdeckung österreichweit die Marke von 90 Prozent überschreitet.

Ministerin warnt vor Tausenden fehlenden Zivildienern

Trotz der steigenden Nachfrage sieht Zivildienstministerin Claudia Bauer (ÖVP) Handlungsbedarf. Denn langfristig droht dem Zivildienst ein Personalproblem.

"Der Zivildienst ist eine tragende Säule unseres Sozial- und Gesundheitssystems. Ob im Rettungswagen, im Pflegeheim oder im Sozialbereich: Unsere Zivildiener sind da, wenn andere sie brauchen. Die aktuellen Zahlen zeigen, wie groß das Interesse am Zivildienst ist. Gleichzeitig wissen wir schon heute, dass uns aufgrund der demografischen Entwicklung ab 2040 jedes Jahr rund 4.000 Zivildiener fehlen werden, wenn wir nichts ändern. Deshalb müssen wir den Zivildienst jetzt für die Zukunft aufstellen.

Für mich war dabei immer klar: Eine Reform darf nicht einfach nur Monate dranhängen. Wer mehr Zeit für Österreich gibt, soll auch mehr zurückbekommen. Deshalb stärken wir die Ausbildung, schaffen mehr Flexibilität und machen den Zivildienst krisenfester. Künftig sollen die jungen Männer nicht nur Lebenserfahrung, sondern auch konkrete Qualifikationen mitnehmen, von denen sie später im Beruf oder im Ehrenamt profitieren."

Oberösterreich bei Besetzung vorne

Wie unterschiedlich die Nachfrage nach Zivildienern in den Bundesländern gedeckt werden kann, zeigen die aktuellen Zahlen. Oberösterreich liegt mit einer Bedarfsdeckung von 93,8 Prozent an der Spitze. Dahinter folgen Niederösterreich (91,1 Prozent) und Wien (89,9 Prozent).

Am niedrigsten ist die Quote im Burgenland, wo 79,7 Prozent der gemeldeten Plätze besetzt werden konnten.

Besonders stark gestiegen ist das Interesse am Zivildienst in Tirol. Dort wurden um 15,8 Prozent mehr Zivildiensterklärungen abgegeben als im Vorjahreszeitraum. Auch Vorarlberg verzeichnet mit 15,6 Prozent ein deutliches Plus, gefolgt von der Steiermark mit 12,1 Prozent.

In absoluten Zahlen gab es den größten Zuwachs in Niederösterreich: Dort wurden 253 zusätzliche Erklärungen registriert.

Vier von zehn arbeiten im Rettungswesen

Der mit Abstand größte Einsatzbereich für Zivildiener bleibt das Rettungswesen. Von den 10.051 seit Jahresbeginn zugewiesenen Männern arbeiten 4.010 in diesem Bereich. Das entspricht knapp 40 Prozent. Weitere 2.610 Zivildiener sind in der Sozial- und Behindertenhilfe tätig, rund 26 Prozent aller Zuweisungen.

Auf die Altenbetreuung entfallen rund zwölf Prozent, auf Krankenanstalten etwas mehr als neun Prozent. Weitere Einsatzgebiete sind unter anderem die Katastrophenhilfe, Kinderbetreuung, Flüchtlingsbetreuung und öffentliche Sicherheit.

Zivildienst soll verlängert werden

Die Bundesregierung hat am Mittwoch ein Reformpaket für Wehr- und Zivildienst in Begutachtung geschickt. Eine zentrale Änderung betrifft die Dauer: Ab 1. Jänner 2027 sollen Zivildiener ihren bisher neunmonatigen Dienst freiwillig auf elf Monate ausdehnen können.

Unter bestimmten Voraussetzungen ist später aber auch eine verpflichtende Verlängerung für alle vorgesehen. Entscheidend ist dabei die Zahl der Grundwehrdiener. Sinkt die Zahl der Männer, die in einem Kalenderjahr ihren Grundwehrdienst antreten, unter 13.875, soll der Zivildienst dauerhaft auf elf Monate verlängert werden.

Wird dieser Wert bereits 2027 unterschritten, tritt die verpflichtende Verlängerung mit 1. Jänner 2029 in Kraft.

Wer künftig elf Monate Zivildienst leistet, soll zwischen drei Modellen wählen können:

Die drei Varianten:

  • 11 Monate durchgehend: Zivildiener können ihren Dienst elf Monate ohne Unterbrechung absolvieren
  • 9+2 Monate später: Die beiden zusätzlichen Monate werden zu einem späteren Zeitpunkt am Stück in derselben Einrichtung geleistet.
  • 9+2 Monate im Ehrenamt: Die zwei Monate werden durch 400 Stunden ehrenamtliche Ersatzleistung ersetzt. Dafür bleiben fünf Jahre Zeit, die Tätigkeit muss in derselben Einrichtung erfolgen. Werden die vereinbarten Stunden nicht erbracht, müssen die zwei Monate als ordentlicher Zivildienst geleistet werden.

Neben der längeren Dienstzeit plant die Bundesregierung auch Änderungen bei der Ausbildung. Jeder Zivildiener soll künftig verpflichtend eine Schulung erhalten, die auf seine konkrete Tätigkeit zugeschnitten ist.

Im Falle von Naturkatastrophen und anderen Notlagen sollen Zivildiener besser auf Kriseneinsätze vorbereitet werden. Bis zu zwei Jahre nach dem Ende ihres Zivildienstes könnten die Männer im Bedarfsfall für höchstens zwei Monate erneut herangezogen werden.

Die Reform sieht auch Änderungen bei den geltenden Vorschriften vor. Wer seinen Zivildienst nicht antritt oder unerlaubt fernbleibt, muss künftig mit strengeren Strafbestimmungen rechnen. Diese sollen an die Regeln des Wehrdienstes angepasst werden. Bei den freien Tagen ist dagegen eine Erleichterung geplant: Zivildiener sollen diese künftig auch halbtags konsumieren können.

LH,10.10.2026, 20:24