Österreich gehen zunehmend die Zivildiener aus. Während Einrichtungen mehr Personal benötigen, sorgen geburtenschwache Jahrgänge für weniger verfügbare junge Männer. Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) spricht sich deshalb aus demografischen Gründen für einen längeren Zivildienst aus.
Das geht aus der Debatte im Familienausschuss über den Zivildienstbericht für die Jahre 2023 bis 2025 hervor. Im vergangenen Jahr leisteten 14.884 Männer Zivildienst. Das Verhältnis zwischen Grundwehr- und Zivildienst habe sich laut Bauer mittlerweile auf ungefähr 50:50 verschoben.
2025 meldeten die Einrichtungen einen Bedarf von insgesamt 16.591 Zivildienstplätzen. Davon konnten 89,7 Prozent besetzt werden. Angesichts der geburtenschwachen Jahrgänge wird das im Bericht als "guter Wert" bezeichnet.
Die Lage schwankt allerdings im Jahresverlauf. Im Frühjahr stehen teilweise zu wenige Zivildiener zur Verfügung, nach den Schulabschlüssen gibt es ab Sommer österreichweit meist genügend Personen.
Um wichtige Bereiche ausreichend zu versorgen, werden laut Bauer bestimmte Sparten wie das Rettungswesen bevorzugt.
Im Zuge der geplanten Wehrdienstreform hatte die Bundesregierung eine Wehrdienstkommission eingesetzt. Aus deren vorgeschlagenen Modellen einigte sich die Koalition auf einen Kompromiss, der im Sommerministerrat beschlossen wurde.
Bauer erklärte im Ausschuss, sie persönlich habe sich aufgrund des hohen Bedarfs dafür ausgesprochen, den Zivildienst gemeinsam mit dem Grundwehrdienst zu verlängern.
Gegenüber FPÖ-Abgeordnetem Harald Thau argumentierte sie, eine Verlängerung sei aus demografischen Gründen notwendig, damit die Einrichtungen in Österreich ihren Bedarf decken können. Mit der nun vorgeschlagenen automatischen Verlängerung könne sie gut leben. Gleichzeitig seien für die zusätzliche Dienstzeit mehr Ausbildungsmöglichkeiten für Zivildiener wichtig.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut Bauer um acht Prozent mehr Zivildiensterklärungen abgegeben als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zahlen für das zweite Halbjahr liegen noch nicht vor.
Besonders auffällig war der August: Hier gab es ein Plus von 45 Prozent. Untersuchungen zu den Gründen dafür gibt es laut Bauer noch nicht. Eine mögliche Erklärung könne die mediale Diskussion über die Wehrdienstreform sein.
Langfristig erwartet die Ministerin wieder ein gutes Gleichgewicht zwischen Grundwehr- und Zivildienst.
Ferdinand Mayer, Leiter der Zivildienstserviceagentur, verwies darauf, dass die Bedarfsdeckung wegen der geburtenschwachen Jahrgänge in den vergangenen Jahren fast immer unter 90 Prozent lag.
Gegensteuern wollte man unter anderem mit finanziellen Maßnahmen und der Einführung der Teiltauglichkeit. Letztere habe die Bedarfsdeckung bislang um ein bis 1,5 Prozent erhöht.
Rund 80 Prozent der Zivildiener sind Maturanten. Deshalb stehen laut Mayer zwischen August und Jänner ausreichend Personen zur Verfügung. Ab Februar beginne hingegen die "Saure-Gurken-Zeit".
Auch zwischen den Einsatzbereichen gibt es Unterschiede. Während das Rettungswesen besonders beliebt ist, läuft die Besetzung etwa in der Altenbetreuung weniger gut. Bei der Bedarfsdeckung in den Bundesländern erkennt Mayer zudem tendenziell ein Ost-West-Gefälle.
Die meisten Zivildiensterklärungen kamen 2025 aus Oberösterreich mit 21 Prozent, gefolgt von Niederösterreich mit 20 Prozent, Wien mit 18 Prozent und der Steiermark mit 13 Prozent.
Das Rettungswesen ist der größte Einsatzbereich: 39 Prozent der Zivildiener wurden ihm 2025 zugewiesen. 27 Prozent gingen in die Sozial- und Behindertenhilfe, zwölf Prozent in die Betreuung älterer Menschen und neun Prozent in Krankenanstalten.
Weitere Einsatzgebiete reichen von Katastrophenhilfe und Zivilschutz über Kinderbetreuung und Jugendarbeit bis zu Umweltschutz, Landwirtschaft und Gedenkstätten.
Seit einer Mitte 2024 in Kraft getretenen Novelle wird bei der Anerkennung neuer Zivildiensteinrichtungen und Plätze auch berücksichtigt, wie gut der Bedarf im jeweiligen Bundesland und in den Nachbarbundesländern gedeckt ist.
Der Bericht hebt zudem die Bedeutung des Zivildienstes für das Ehrenamt hervor. Rund 30 Prozent der jungen Männer engagieren sich danach ehrenamtlich, etwa neun Prozent arbeiten hauptberuflich bei ihrer jeweiligen Organisation weiter.