Riesige Winterstromlücke

Politik "hasst Windräder" – Kärnten braucht 100 davon

Eine Studie zeigt: Kärnten braucht bis zu 100 Windräder, um genug Strom zu produzieren. Gegenwind aus der Politik erlaubt derzeit nur halb so viele.
Newsdesk Heute
20.04.2026, 13:23
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Kärnten steht vor einem Energie-Dilemma: Während das Bundesland im Sommer genug Strom produziert, fehlt im Winter regelmäßig Energie. 2023 mussten rund zwölf Prozent des Bedarfs importiert werden – teils aus Kohle- und Atomstrom. In schlechten Wasserjahren kann sie sogar 35 Prozent ausmachen.

Bis 2030 wird der Strombedarf aber noch einmal um fast ein Drittel steigen, bis 2040 sogar um 65 Prozent. Ohne zusätzliche Energiequellen wird die Abhängigkeit von Importen also weiter zunehmen. Genau diese sogenannte Winterstromlücke will die Politik eigentlich schließen – doch ausgerechnet beim wichtigsten Hebel wird gebremst.

Eine neue Studie der Österreichischen Energieagentur verdeutlicht die Brisanz. Darin kommen die Experten zu dem klaren Schluss: Ohne deutlich mehr Windkraft geht es nicht. Je nach Ausbau der Photovoltaik benötigt Kärnten bis 2040 zwischen 90 und 100 Windräder, um im Winter unabhängig zu werden. Das zusätzlich zur gleichzeitigen Maximierung der Wasserkraft.

"Angriff auf unsere schöne Heimat": Die FPÖ schürte im Vorfeld der Volksbefragung die Angst vor 500 (!) Windrädern in Kärnten.
Screenshot YouTube/FPÖ

"Ich hasse Windräder"

Aktuell sieht die Realität anders aus. Eine von FPÖ und Team Kärnten initiierte und emotional beworbene Volksbefragung ergab im Jänner 2025 eine knappe Mehrheit für ein Verbot von Windkraftanlagen. Das Ergebnis ist allerdings null und nichtig. Der Verfassungsgerichtshof stellte im Dezember die Gesetzwidrigkeit wegen wertender Fragestellung fest, gab der Anfechtung statt.

Es folgte dennoch ein Vier-Parteien-Kompromiss, bei dem zusammen mit SPÖ und ÖVP vier winzige Windkraftzonen beschlossen wurden. Sie machen gerade einmal 0,077 Prozent der Landesfläche aus, mehr als rund 50 Windräder sind damit nicht möglich. Die Empfehlung der Experten würde also eine Verdoppelung bedeuten.

Die reale Notwendigkeit ist genauso deutlich wie der politische Unwille. Der neue SPÖ-Landeshauptmann Daniel Fellner ("Ich hasse Windräder") legt sich auch gegen das kürzlich von der Bundesregierung präsentierte Gesetz zum beschleunigten Ausbau Erneuerbarer Energien (EABG) quer. Darin sind verbindliche Ausbauziele für die Bundesländer vorgesehen. "Ich kann Ihnen meinen Widerstand artikulieren", hielt er Mitte April im Ö1-Radio fest. Sein Argument: Gemeinsam seien Energieziele leichter zu erreichen als in einzelnen Ländern.

Jenseits der Koralpe weht ein völlig anderer, durchaus pragmatischerer Wind. Die FPÖ/ÖVP-Landesregierung hat erst vergangene Woche ein neues Gesetz für den weiteren Ausbau der Windkraft in der Steiermark präsentiert. Bis zu 150 neue Anlagen sind damit möglich, sie sollen bis 2030 zumindest 400 Megawatt bringen. Aktuell sind rund 324 Megawatt installiert, die Landesregierung möchte die Leistung also mehr als verdoppeln.

"Energie ist angesichts der geopolitischen Lage ein wertvolles Gut geworden", erklärte dazu Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom. Wer sich die Energiepreise ansehe, werde schnell die Notwendigkeit des Ausbaus erkennen. Das sei entscheidend für den Industriestandort Steiermark, bringt es Energielandesrätin Simone Schmiedtbauer (beide ÖVP) auf den Punkt: "Die Verfügbarkeit von Energie wird künftig bestimmen, wie attraktiv ein Bundesland sein wird." Gleichzeitig beruhigen sie: "Wir pflastern die Steiermark aber nicht zu."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 20.04.2026, 14:04, 20.04.2026, 13:23
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