Der Krieg im Nahen Osten verändert auch die Urlaubsplanung vieler Menschen. Gesperrte Lufträume, Reisewarnungen und eingeschränkter Flugverkehr in der Golfregion sorgen dafür, dass beliebte Fernreiseziele derzeit schwer erreichbar sind. Der Reiseanbieter Dertour beobachtet bereits deutliche Verschiebungen bei den Buchungen.
"Für jene Gäste, die sich jetzt nicht Richtung Osten bewegen wollen, gibt es natürlich Alternativen", sagt Martin Fast, Geschäftsführer von Dertour Austria.
Vor allem Fernreisende suchen derzeit Alternativen zu Destinationen, die normalerweise über Drehkreuze in der Golfregion erreicht werden. Viele Urlaubsreisen in den Indischen Ozean – etwa auf die Malediven, nach Mauritius oder Sri Lanka – werden traditionell über Flughäfen wie Dubai oder Doha abgewickelt. Durch den eingeschränkten Flugverkehr wird diese Route aktuell komplizierter.
"Wer eine Fernreise machen möchte, weicht derzeit häufig Richtung Westen aus", sagt Fast. Besonders gefragt seien derzeit die Dominikanische Republik und Mexiko. "Das haben wir erst Anfang der Woche gesehen – dort stocken wir auch die Kapazitäten auf." Zudem würde sich Südafrika zu einem gefragten Alternativziel entwickeln.
Viele Gäste hätten ursprünglich Reisen in den Indischen Ozean geplant. "Da geht es weniger um die Emirate selbst", erklärt Fast. "Es betrifft vor allem Ziele dahinter – etwa die Malediven, Mauritius, Seychellen, Thailand oder Sri Lanka." Für Gäste, die bereits eine Fernreise gebucht haben, werden derzeit kostenlose Umbuchungen angeboten. Diese gelten allerdings meist nur kurzfristig und orientieren sich an den jeweils aktuellen Reisewarnungen.
Zudem zeige sich für den Sommer bereits ein klarer Trend: Viele Urlauber entscheiden sich wieder verstärkt für klassische Mittelmeerziele. "Spanien wird in den letzten zehn Tagen deutlich stärker gebucht", sagt Fast. Auch Portugal lege zu und preisgünstigere Destinationen würden wieder an Attraktivität gewinnen. So erlebe etwa Bulgarien derzeit stärkeren Zuspruch. Jetzt zu den Osterferien seien die Kanaren, Mallorca oder Marokko besonders gefragt.
„Italien und Kroatien werden seit Ausbruch des Konflikts stärker gebucht als sonst um diese Zeit.“
Gleichzeitig steige die Nachfrage nach klassischen Autodestinationen. "Italien und Kroatien werden seit Ausbruch des Konflikts stärker gebucht als sonst um diese Zeit", so der Reiseexperte.
Die große Sorge vieler Urlauber betrifft mögliche Preissteigerungen. Noch sieht die Branche jedoch keine unmittelbaren Auswirkungen. "Für die klassischen Sommerziele – egal ob Griechenland, Türkei oder Spanien – ist aktuell keine Preisänderung in Sicht", sagt Fast. Zumindest kurzfristig bleibe das Preisniveau stabil.
Langfristig könnte sich der Konflikt jedoch auf die Kosten auswirken. Ein entscheidender Faktor ist der Treibstoffpreis. Sollte die wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus länger blockiert bleiben, könnte das auch die Kerosinpreise erhöhen.
Auf manchen Fernstrecken zeige sich allerdings bereits eine gewisse Volatilität: "Bei Flügen Richtung Osten sehen wir derzeit eine gewisse Berg- und Talfahrt bei den Preisen", erklärt er. Der Grund: zunächst reduzierte Flugkapazitäten und anschließend zusätzliche Flüge, die wieder auf den Markt kommen.
Dies habe jedoch keine Auswirkungen auf Pauschalreisen: "Bei vielen Charterdestinationen haben wir die Flüge schon im vergangenen Jahr fix gebucht. Der Preis ist aktuell also nicht in Gefahr."
Der Konflikt zeige laut Fast auch, wie wichtig Absicherung bei Reisen sein kann. DERTOUR Austria musste bereits mehrere hundert Gäste aus der Region betreuen. Insgesamt waren 347 Dertour-Passagiere aus Österreich betroffen, die sich in der Golfregion aufhielten. Viele konnten über alternative Flüge oder Sonderverbindungen zurückgebracht werden. "Wenn jemand eine Pauschalreise gebucht hat, kümmern wir uns um alles – auch um Rückholflüge", sagt Fast. Jene, die in weiter entfernten Destinationen festsaßen, seien zum Teil auch über eigene Charterflüge zurückgeholt worden.
„Wenn jemand eine Pauschalreise gebucht hat, kümmern wir uns um alles – auch um Rückholflüge.“
Sein Rat an Reisende ist deshalb klar: "Es soll im Urlaub natürlich nichts passieren. Aber wenn doch etwas schiefgeht, ist man mit einer Pauschalreise wirklich komplett abgesichert. Wer Flug oder Hotel separat bucht, muss sich im Ernstfall oft selbst um die Rückreise kümmern."