"Immer weniger Katholiken"

Schuldirektorin will Klassen nach Religion trennen

An einer Salzburger Schule sorgt ein Plan für Wirbel! Klassen sollten nach Religion eingeteilt werden - die Bildungsdirektion stoppt das Vorhaben.
André Wilding
23.04.2026, 07:30
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

An der Volksschule Liefering I sorgt eine Idee der Direktorin für Diskussionen unter Eltern: Die ersten Klassen sollten im Herbst nach Religionszugehörigkeit zusammengestellt werden. Ziel war es, den Religionsunterricht besser organisieren zu können – darüber berichten die "Salzburger Nachrichten" (Anm. kurz "SN").

"Ausländerklassen"

Direktorin Andrea Enzinger bestätigt die Überlegungen gegenüber den "SN". Hintergrund sei die sinkende Zahl katholischer Kinder. "Wir haben immer weniger getaufte katholische Kinder. Wenn ich diese auf die drei Klassen aufteilen würde, würde das bedeuten, dass jede Klasse nur eine Religionsstunde hat."

Das sei vor allem mit Blick auf die Erstkommunion problematisch. "Da kann der halbe Stoff, der dafür nötig ist, nicht durchgemacht werden", heißt es in dem Bericht der Tageszeitung. Die geplante Lösung: eine Klasse mit katholischen Kindern, eine mit muslimischen oder orthodoxen Schülern und eine weitere mit Kindern ohne Bekenntnis.

"So hätten wir homogene Gruppen und der Stundenplan könnte besser eingeteilt werden", stellt die Direktorin klar. Kritik aus der Elternschaft, wonach dadurch "Ausländerklassen" entstehen könnten, weist Enzinger entschieden zurück. "In der Klasse, in die die muslimischen Kinder gehen, haben 17 von 21 die österreichische Staatsbürgerschaft. Die sprechen perfekt Deutsch."

Organisatorische Probleme

Gleichzeitig verweist die Schulleiterin auf organisatorische Probleme im Schulalltag: "Was mache ich, wenn in einer Klasse die Hälfte hinausgeht, weil sie den Religionsunterricht nicht besucht? Ich habe nicht die Lehrer, die zu beaufsichtigen, so Enzinger gegenüber den "Salzburger Nachrichten".

Doch die Bildungsdirektion erteilt dem Plan in den "SN" eine klare Absage. Direktor Rudolf Mair kündigt Konsequenzen an: "Die Direktorin wird eine Weisung bekommen, das anders zu machen." Eine Einteilung nach Religion sei nicht vorgesehen und auch nicht vertretbar. "Das ist schulrechtlich nicht vorgesehen und auch pädagogisch verwerflich."

Auch wenn viele Kinder vom Religionsunterricht abgemeldet sind, sei eine Trennung keine Lösung. "Wenn fünf Kinder Religionsunterricht haben und 16 beaufsichtigt werden müssen, kann das schwierig sein. Aber das ist ein Problem, das haben wir überall. Es ist sicher nicht erwünscht, die Kinder aus dem Grund nach Religionen einzuteilen", heißt es weiter.

"Ich halte dieses Aufteilen für ganz schlecht"

Unterstützung kommt auch aus der Stadtpolitik. Sozialstadträtin Andrea Brandner sieht den Plan kritisch: "Ich halte dieses Aufteilen für ganz schlecht. Es ist wichtig, sich auf Augenhöhe kennenzulernen und in Dialog zu treten." Schon in der Volksschule dürften keine getrennten Gruppen entstehen. "Was soll das für ein Signal sein? Es kann nicht sein, dass man eigene Klassen macht, nur weil das vielleicht organisatorisch einfacher ist."

Auch in der Ausbildung von Lehrkräften spiele Vielfalt eine zentrale Rolle. Unterschiedliche Kulturen und Sprachen sollen bewusst eingebunden werden. Ziel sei es, voneinander zu lernen und Offenheit zu fördern.

{title && {title} } wil, {title && {title} } 23.04.2026, 07:30
Jetzt E-Paper lesen