Für viele Familien gehört sie zur Einschulung einfach dazu: die neue Schultasche. Oft kosten die beliebten Modelle weit mehr als 200 Euro, dazu kommen Federpennal, Turnsackerl und weiteres Zubehör. Eine Grundschule in Hamburg geht jetzt jedoch einen völlig anderen Weg.
Dort werden Eltern neuer Erstklässler ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ihre Kinder keine klassische Schultasche brauchen. Ein einfacher Rucksack reicht aus.
Auslöser für die ungewöhnliche Entscheidung war ein Neubau der Schule. Die neuen Lernräume unterscheiden sich stark von klassischen Klassenzimmern. Statt fixer Sitzplätze gibt es offene Bereiche, Stehtische, Lerninseln und flexible Arbeitsplätze.
Die riesigen Schultaschen hätten dort vor allem eines getan: Platz weggenommen. Deshalb begann die Schule gemeinsam mit Elternvertretern zu hinterfragen, ob die Kinder die großen Taschen überhaupt noch benötigen.
Das Ergebnis überraschte selbst die Lehrer. Viele Kinder transportierten in ihren Schultaschen lediglich ein Federtascherl, eine Trinkflasche und einen Schulkalender. Für diese wenigen Dinge genügt ein normaler Rucksack.
Der Grund dafür liegt im modernen Schulalltag. Die Schule wird ganztägig geführt, Hausübungen werden großteils direkt vor Ort erledigt. Hefte, Bücher und Arbeitsmaterialien bleiben deshalb meist in der Schule.
Für Eltern kann das einen spürbaren Unterschied machen. Eine hochwertige Schultasche kostet oft zwischen 150 und 300 Euro. Kommen Federpennal, Turnsackerl und Zubehör dazu, landen Familien bei der Einschulung rasch bei 250 bis 400 Euro. Ein einfacher Rucksack ist oft schon um 30 bis 50 Euro zu haben.
Die Hamburger Schule stellt diese Tradition nun offen infrage. Wenn Bücher und Hefte ohnehin in der Schule bleiben, stellt sich die Frage: Braucht es die klassische Schultasche überhaupt noch?
Auch in Österreich werden Ganztagsschulen immer häufiger. Gleichzeitig setzen viele Schulen verstärkt auf digitale Lernmittel und längere Betreuungsangebote.
Noch gehört die Schultasche hierzulande für die meisten Familien fest zur Einschulung. Doch das Beispiel aus Hamburg zeigt, dass sich der Schulalltag in den vergangenen Jahren deutlich verändert hat.
Ob das das Modell bei uns Schule machen wird, ist noch offen. Klar ist aber: Die Diskussion dreht sich längst nicht mehr nur um Taschen. Vielmehr geht es um die Frage, wie Schule künftig organisiert wird - und ob Kinder wirklich jeden Tag schwere Bücher und Hefte hin- und hertragen müssen.