Einfach ein Schaf scheren und aus dem Flausch Wolle spinnen, oder? Oder! Leider gibt es grausame Aspekte in der Wollproduktion, vor allem bei den beliebten Merinoschafen und den gezüchteten Angora-Kaninchen. Der Österreichische Tierschutzverein klärt gerne auf, denn bei den derzeitigen Temperaturen greifen wir immerhin täglich zu Schal, Mütze & Co.
Viele wissen gar nicht, dass ein Angorakaninchen keineswegs eine supersüße Laune der Natur ist, sondern gezielt von uns gezüchtet wurde. Schlimm daran ist vor allem die Tatsache, dass diese Rasse ohne uns NULL Überlebenschance hätte, da ihr begehrtes Fell so lange wächst und mit jeder Bewegung verfilzt, bis sie ersticken.
Meistens kommt die Angora-Wolle aus China, wo die Kaninchen einzeln in kleinste Käfige gepfercht ihr Leben fristen, um so wenig Schmutz wie möglich auf ihr Fell zu bekommen. Doch das Schlimmste haben sie noch vor sich, denn ungefähr viermal pro Jahr werden sie geholt, um per Hand das Fell büschelweise ausgerupft zu bekommen. Diese Höllenqual dauert ungefähr zwei Stunden und wird von vielen gar nicht erst überlebt.
Angora gilt leider auch heute noch als Luxusprodukt, da die Wolle natürlich besonders weich und flauschig ist.
Die Merinowolle gelangt meist aus Australien zu uns, doch dort wird leider noch immer das grauenvolle "Mulesing" praktiziert, wo man Lämmern ganze Hautstücke vom Analbereich entfernt, um Fliegenmadenbefall vorzubeugen. Dort wird weder betäubt noch die Wunden danach fachgerecht gepflegt. Obwohl es schon längst andere, tierfreundliche Praktiken gäbe (wie Neuseeland vorzeigt) fehlt es beim größten Lieferanten von 80 Prozent der Wolle an wirksamen Tierschutzgesetzen und vor allem Kontrollen.
Merinoschafe machen global etwa 62 Prozent des Wollsegments aus, wobei Australien den Löwenanteil produziert. Der Rest kommt aus Neuseeland, Südafrika und Argentinien. Europa hat einen sehr geringen Anteil an Merinoschafen - geschätzt unter 2 Prozent.
Das Tierleid findet meist im fernen Ausland statt – bezahlt wird es jedoch hier. Der Österreichische Tierschutzverein appelliert daher an Konsumenten, bewusst einzukaufen. "Wer nicht sicher weiß, woher die Wolle stammt und unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden, sollte konsequent darauf verzichten", sagt Alexios Wiklund.
Statt Angora und Merino rät der Österreichische Tierschutzverein zu smarten Alternativen: Lyocell (TENCEL™), eine nachhaltige Faser aus Holz-Zellulose, ist weich, atmungsaktiv, hat eine hohe Feuchtigkeitsaufnahme (bis 50 Prozent mehr als Baumwolle) und ist laut TU Graz fast so warm wie Merinowolle. Die Universität testet auch Sojaseide: sie fühlt sich wie Kaschmir an, hält sogar bei –10 °C warm und ist frei von allergenem Lanolin.
Wir fassen zusammen:
Achte beim Kauf auf klare Materialangaben und bevorzuge pflanzliche Fasern wie Lyocell, Sojaseide oder SeaCell sowie Second-Hand-Mode. Qualität vor Quantität lohnt sich: Gut verarbeitete, zeitlose Kleidung hält länger, spart Ressourcen und vermeidet Tierleid.
Auch SeaCell, eine Zellulosefaser aus Holz und Meeresalgen, speichert durch ihre poröse Struktur Luft und damit Wärme. Recycelte Kunstfasern sind ebenfalls tierleidfrei, jedoch nicht nachhaltig. Sie verursachen jedoch Mikroplastik und sind nicht biologisch abbaubar.