Staatssekretärin in "Heute"

VP-Politikerin appelliert: "Jacke an, Heizung runter"

Nicht nur die Regierung sei gegen die Energiekrise gefordert, sondern jeder Einzelne, empfiehlt VP-Zehetner, langsamer zu fahren und weniger zu heizen
Angela Sellner
03.04.2026, 07:00
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Energiestaatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) regte bereits ein freiwilliges Tempo 100 auf Autobahnen an. Im Interview mit "Heute" (ganzer Talk im Video unten) präzisiert sie ihren Appell an die Eigenverantwortung in der aktuellen Krise.

Sie macht klar: Die Versorgung in Österreich sei aktuell gesichert, das Problem seien die Preise. Und: Jeder könne selbst gegensteuern.

Keine Engpässe

"Es ist eine Krise, für die Österreich per se nichts kann. Aber wir sind natürlich keine Insel der Seligen", sagt Zehetner: "Wir haben aktuell keinen Versorgungsengpass, weder bei Treibstoffen noch bei Gas. Wir beziehen unser Öl und Gas nicht aus der Krisenregion. Aber weil am Weltmarkt 20 bis 25 Prozent der Mengen fehlen, gehen die Preise überall hinauf."

Besonders schmerzhaft: die enorm gestiegenen Spritreise. Daher greife die Regierung jetzt ein; mit der Spritpreisbremse sinken die Preise je Liter um rund 10 Cent. Ziel sei vor allem, die Inflation zu dämpfen. "Wir erwarten uns da einen Effekt von 0,25 Prozentpunkten."

Jeder kann etwas tun

Parallel dazu sieht Zehetner großes Potenzial in eigenverantwortlichem Handeln jedes Einzelnen: "Es ist nicht nur die Regierung, die etwas tun kann – wie jetzt mit der Preisbremse – sondern auch jeder Einzelne." Die Staatssekretärin möchte "das Bewusstsein für sorgsamen Umgang mit Energieressourcen sensibilisieren". Das gelte auch unabhängig von der aktuellen Situation.

„Freiwilliges Tempo 100 statt 130 auf der Autobahn verbraucht 25 Prozent weniger Sprit. Das spürt man im Geldbörsel.“
Elisabeth ZehetnerEnergie-Staatssekretärin (ÖVP)

Video: Das Interview mit Elisabeth Zehetner

Zum Beispiel beim Autofahren: "Freiwilliges Tempo 100 statt 130 auf der Autobahn verbraucht 25 Prozent weniger Sprit. Das spürt man im Geldbörsel", sagt Zehetner. Auch mit dem richtigen Reifendruck zu fahren, wirke sich auf den Spritverbrauch aus.

Langsamer fahren, weniger heizen

Ein verpflichtendes Tempolimit oder autofreie Tage stünden freilich derzeit nicht zur Debatte. "Ich glaube nicht, dass es die Aufgabe des Staates ist, sich in die höchstpersönliche Lebensgestaltung der Menschen einzumischen", betont Zehetner.

„Ein Grad weniger Raumtemperatur spart sechs Prozent Gas. Also vielleicht daheim eine dünne Jacke anziehen und weniger heizen.“
Elisabeth ZehetnerEnergie-Staatssekretärin (ÖVP)

Aber überlegen könne trotzdem jeder: "Man kann vielleicht manchmal einen Bus nehmen oder zu Fuß gehen." Das spare nicht nur Energie, sondern auch Geld – und sei im Falle des Zu-Fuß-Gehens zusätzlich gesund.

Bei aktuell kühleren Temperaturen draußen spricht Zehetner außerdem den Bereich Heizen an: "Ein Grad weniger Raumtemperatur spart sechs Prozent Gas. Also vielleicht daheim eine dünne Jacke anziehen und weniger heizen", rät sie.

Günstige Stromtarife bleiben

Beim Strom wurden bereits Entlastungen wirksam. Große Energieversorger sind zudem mit ihren Preisen deutlich heruntergegangen, haben sich bei rund 10 Cent je Kilowattstunde eingependelt. Ist angesichts der Entwicklung an den internationalen Märkten zu befürchten, dass es für die Unternehmen nicht mehr lange leistbar sein wird, diese günstigen Tarife anzubieten? Zehetner gibt Entwarnung: "Die Energieversorger haben versichert, dass sie diese Preise für ihre Kunden trotz der aktuellen Krisensituation halten können. Sie haben ihren Bedarf für heuer und wohl auch 2027 noch zu alten Einkaufspreisen abgesichert."

Elisabeth Zehetner (ÖVP) sieht auf EU-Ebene großen Handlungsbedarf beim Energiepreis-System.
Helmut Graf
„Solange Gas den Preis bestimmt, bleibt Energie teuer – selbst dann, wenn sie eigentlich ,grün' ist.“
Elisabeth ZehetnerEnergie-Staatssekretärin (ÖVP)

Steigende Gaspreise

Dass jetzt der Gaspreis stark steige, bereite natürlich Sorgen. "Wir beobachten das sehr wachsam. Denn der Gaspreis hat über das Merit-Order-System einen großen Einfluss darauf, was bei uns auch der grüne Strom kostet", erklärt die Staatssekretärin. "Das ist ein Problem, das wir auf europäischer Ebene lösen müssen." Denn: "Solange Gas den Preis bestimmt, bleibt Energie teuer – selbst dann, wenn sie eigentlich ,grün' ist."

Österreichs Gasspeicher sind nach der Heizsaison jetzt natürlich nicht mehr voll – wenngleich noch ausreichend Reserven da seien. Zehetner erklärt: "Das Auffüllen der Gasspeicher erfolgt zu aktuellen Preisen. Wir schauen genau, wann sich ein günstigerer Zeitpunkt ergibt und der Preis vielleicht wieder leicht sinkt." Zeit dafür sei bis Herbst.

Raus aus fossiler Energie?

Fix sei: Österreich müsse unabhängiger von fossiler Energie werden. Zehetner: "Gas brauchen wir als Brückentechnologie noch länger. Aber beim Ausbau von Wind-, Sonnen- und Wasserkraft sowie Geothermie soll unser neues Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz deutlich Tempo machen."

{title && {title} } sea, {title && {title} } Akt. 03.04.2026, 13:35, 03.04.2026, 07:00
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