Down-Syndrom-Mädchen ist KI

Warnung vor Abzocke mit Mitleids-Masche auf TikTok

"Klea" verkauft angeblich selbst gemachten Schmuck und wird dafür übel beschimpft. Doch das Mädchen existiert nicht - hinter den Videos steckt KI.
Nick Wolfinger
27.08.2026, 13:33
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Ein junges Mädchen mit Down-Syndrom zeigt auf TikTok stolz Tassen, Schmuck und Keramik, die es angeblich selbst hergestellt hat. Doch das Geschäft läuft schlecht. Dazu kommen grausliche Beschimpfungen wegen seiner Behinderung.

Die Geschichte von "Klea" geht nahe – aber dahinter steckt eiskaltes Kalkül, das mit Nächstenliebe rein gar nichts zu tun hat.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Denn "Klea" gibt es gar nicht. Das Mädchen, seine Geschichte und die Videos des Accounts "Kleaskunst" wurden mit Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt. Offenbar soll die erfundene Geschichte Nutzer dazu bringen, aus Mitleid Produkte zu kaufen.

Auch die Hasskommentare sind erfunden

Besonders perfide: Selbst die Beleidigungen, denen "Klea" angeblich ausgesetzt ist, sind Teil der Inszenierung. In einem Beitrag heißt es etwa: "Du bist ein Downi und machst irgendwelche komischen Kettchen – jetzt mal ehrlich, wer braucht den Müll?!"

In anderen KI-generierten Szenen wird das Mädchen vermeintlich auf offener Straße beleidigt. "Niemand will deine kindischen Tassen haben, du komisches Mädchen", heißt es dort.

Die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten. Nutzer sprechen "Klea" Mut zu und wollen ihre Produkte kaufen. Eine Person schreibt etwa, die Tassen seien wunderschön und sie würde diese sofort kaufen.

Massenware statt Handarbeit

Genau hier beginnt das eigentliche Geschäft. Die als "handgemacht" beworbenen Armbänder und Ketten werden laut dem Bericht um jeweils 25 Euro angeboten.

Hinter dem Account stecken Betreiber, die günstige Massenware aus China mittels Dropshipping weiterverkaufen. Ebenso wird vor Shops gewarnt, die Zahlungen kassieren, ohne anschließend die versprochene Ware zu liefern. Dass hinter "Kleaskunst" tatsächlich Betrüger stecken, ist augenscheinlich.

Auf der Webseite des Händlers fehlt das Impressum. Der Account auf TikTok wurde mittlerweile deaktiviert und ist nicht mehr erreichbar.

Darum funktioniert die Mitleids-Masche

Die emotionalen Videos können dafür sorgen, dass Nutzer Warnsignale übersehen. Konsumpsychologe Manuel Lentz erklärt gegenüber "20 Minuten", dass das Mitleid in solchen Situationen so stark werden könne, dass Menschen trotz vorhandener Zweifel einen Kauf tätigen.

Wer helfen will, beschäftigt sich womöglich weniger mit der Frage, ob die Geschichte überhaupt stimmen kann. Genau diesen Effekt sollen solche KI-Videos ausnutzen.

Experte rät: Einen Tag warten

Lentz warnt, sich zu Impuls-Käufen verleiten zu lassen. Er empfiehlt stattdessen, nach besonders emotionalen Videos nicht sofort auf den "Kauf"-Button zu klicken. Mindestens einen Tag sollte man warten und die Sache danach noch einmal mit etwas Abstand betrachten.

Zusätzlich lohnt sich ein genauer Blick auf den Shop: Gibt es ein ordentliches Impressum? Wo befindet sich der Firmensitz? Existieren unabhängige Bewertungen? Auch vermeintliche Gütesiegel sollten überprüft werden.

Der Fall "Klea" zeigt, wie weit KI-Täuschungen inzwischen gehen können. Nicht nur Bilder und Videos können erfunden sein – sondern die gesamte Geschichte, die Dich zum Kauf bewegen soll.

{title && {title} } NW, {title && {title} } 27.08.2026, 13:33