Die Uhren werden wieder zurückgedreht, die Debatte geht weiter: Soll die Zeitumstellung endlich abgeschafft werden? Eine neue wissenschaftliche Analyse liefert eine klare Empfehlung. Aus gesundheitlichen Gründen sprechen sich Forscher für die dauerhafte Winterzeit aus. Doch während die Wissenschaft argumentiert, stockt die politische Umsetzung in Europa. Auch in Österreich ist eine Abschaffung vorerst nicht in Sicht.
Ein Forschungsteam der University of British Columbia in Kanada hat zahlreiche wissenschaftliche Studien ausgewertet. Die Schlussfolgerung: Wenn die Zeitumstellung fällt, sollte die sogenannte Standardzeit – also die Winterzeit – dauerhaft gelten. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin "Canadian Medical Association Journal" veröffentlicht.
Im Mittelpunkt steht das Morgenlicht. Es hilft der inneren Uhr des Menschen, sich am natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus auszurichten. Helles Licht am Abend kann den Schlafrhythmus hingegen nach hinten verschieben. Mögliche Folgen sind Schlafmangel und Beeinträchtigungen des Wohlbefindens.
Patrick Baylis von der University of British Columbia erklärt das Dilemma: "Der Reiz einer dauerhaften Sommerzeit ist leicht nachvollziehbar: Die Menschen schätzen es, wenn es nach Feierabend oder Schulschluss noch länger hell ist. Diesen Vorteilen am Abend stehen jedoch Erkenntnisse gegenüber, die eine spätere Sonnenzeit mit weniger Schlaf, geringerer Produktivität und schlechteren schulischen Leistungen in Verbindung bringen."
Besonders problematisch wäre eine permanente Sommerzeit in den Wintermonaten. Kinder auf dem Schulweg und Berufstätige müssten morgens länger im Dunkeln starten. Frühere Experimente im Ausland zeigen, wie umstritten eine solche Regelung sein kann.
Die USA führten 1974 eine dauerhafte Sommerzeit ein, nahmen diese Entscheidung aber noch im selben Jahr wieder zurück. Russland experimentierte von 2011 bis 2014 damit, ehe die Rückkehr zur Standardzeit beschlossen wurde. Auch Chile machte eine entsprechende Regelung wieder rückgängig.
Alexandra Choi von der regionalen Gesundheitsbehörde Vancouver Coastal Health mahnt deshalb zur Vorsicht: "Sollten sich Regierungen für die dauerhafte Sommerzeit entscheiden, müssen sie die Konsequenzen bereits vor dem ersten Winter einplanen – von sichereren Arbeits- und Schulwegen am Morgen und flexiblen Anfangszeiten bis hin zur Überwachung von Schlaf, psychischer Gesundheit und Verletzungsrisiken."
Und was bedeutet das für Österreich? Eine rasche Abschaffung ist weiterhin nicht absehbar. Das Europäische Parlament sprach sich bereits 2019 für ein Ende der Zeitumstellung aus. Eine Einigung der EU-Mitgliedstaaten darüber, ob künftig dauerhaft Sommer- oder Winterzeit gelten soll, blieb jedoch aus.
Auch in Österreich gibt es bislang keine beschlossene Abschaffung. Eine parlamentarische Anfragebeantwortung Anfang 2026 brachte keine konkrete Änderung der bestehenden Regelung. Zudem wurde das Volksbegehren "Zeitumstellung sofort beenden" registriert.
Im September 2026 setzte die Bundesregierung einen weiteren Schritt: Eine Verordnung regelt die Sommerzeit für die Jahre 2027 bis 2031. Damit bleibt das bisherige System vorerst bestehen. Die Uhren werden also auch in den kommenden Jahren weiterhin zweimal jährlich umgestellt.