Noch schnell eine Nachricht beantworten, die letzten E-Mails erledigen und abends auf der Couch durch die sozialen Medien scrollen. Unsere Augen kommen dabei kaum zur Ruhe. Was für viele längst zum Alltag gehört, kann sie ordentlich strapazieren. Die Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft (ÖOG) warnt deshalb vor dem sogenannten "Computer Vision Syndrom".
Hinter dem Begriff, auch "Digital Eye Strain" genannt, stecken Beschwerden wie trockene, brennende oder müde Augen, Kopfschmerzen und zeitweise verschwommenes Sehen: "Unsere Augen sind nicht schlechter geworden als früher, aber unsere Sehgewohnheiten haben sich massiv verändert", erklärt ÖOG-Präsident Herbert Reitsamer. Wir verbringen heute deutlich mehr Zeit damit, auf kurze Distanz zu schauen – oft stundenlang und ohne Pause.
Die Fachgesellschaft setzt sich deshalb dafür ein, das Syndrom künftig mit einem eigenen internationalen Diagnosecode zu erfassen.
Besonders tückisch: Wer konzentriert auf einen Bildschirm schaut, blinzelt seltener und häufig nicht vollständig. Dadurch verteilt sich die Tränenflüssigkeit schlechter auf dem Auge und verdunstet schneller. Die Folge sind Trockenheit, Brennen und eine Sicht, die zwischendurch unscharf wird. Klimaanlagen, trockene Heizungsluft oder Kontaktlinsen können die Beschwerden verstärken.
Wird das Bild nach mehrmaligem Blinzeln wieder klar, kann das auf einen instabilen Tränenfilm hindeuten. Auch eine unerkannte oder nicht optimal korrigierte Fehlsichtigkeit kommt als Ursache infrage.
Die gute Nachricht: Schon kleine Veränderungen im Alltag können helfen. Besonders praktisch ist die 20-20-20-Regel. Dabei schaust du etwa alle 20 Minuten für mindestens 20 Sekunden auf einen Gegenstand in rund sechs Metern Entfernung.
Zusätzlich solltest du bewusst und vollständig blinzeln. Stelle den Bildschirm in angenehmem Abstand und etwas unterhalb der Augenhöhe auf. Gute Beleuchtung ohne störende Spiegelungen macht die Arbeit ebenfalls angenehmer. Bei ausgeprägter Trockenheit können geeignete Tränenersatzmittel helfen. Welche Präparate sinnvoll sind, lässt sich augenärztlich abklären.
Wer auf spezielle Blaulichtfilterbrillen hofft, könnte enttäuscht werden. Nach aktuellem Wissensstand sind sie gegen die typischen Beschwerden bei Bildschirmarbeit nicht überzeugend wirksam. Entscheidender sind regelmäßige Pausen, der richtige Sehabstand und ein stabiler Tränenfilm.
Gelegentlich müde Augen nach einem langen Arbeitstag sind meist kein Grund zur Sorge. Treten die Beschwerden jedoch häufig auf, halten länger an oder verschlechtert sich das Sehen deutlich, ist eine augenärztliche Untersuchung wichtig. Bei plötzlichem Sehverlust oder starken Augenschmerzen sollte man sofort medizinische Hilfe suchen.