Das Problem: Hund und Mensch reden oft aneinander vorbei. Ein Blick, ein Gähnen oder das Zeigen des Bauchs wirken für uns eindeutig – aber was wir hineininterpretieren, stimmt meist gar nicht. Laut 20 Minuten begegnet Hundetrainer Matter diesen Missverständnissen fast täglich in seinem Alltag.
Was hinter den Hundesignalen tatsächlich steckt, erklärt Julia Recker. Sie ist Diplom-Psychologin, Hundepsychologin und Expertin für Körpersprache. Seit 15 Jahren arbeitet sie mit Hunden und ihren Menschen, analysiert Begegnungen Bild für Bild und hat auch Erfahrungen mit Straßenhunden in Argentinien gesammelt. Im April ist ihr Buch "Das Hundesprachbuch" erschienen, das gleich auf der Spiegel-Bestsellerliste landete.
Ein Hund legt sich vor dir auf den Rücken und du willst instinktiv seinen Bauch kraulen. Was übersiehst du dabei?
Sich auf den Rücken zu legen, ist nicht immer eine Einladung zum Streicheln! Oft ist das ein Zeichen für Beschwichtigung und dient dazu, Konflikte zu vermeiden. Besonders junge oder unsichere Hunde zeigen dieses Verhalten. Schau dir in so einem Moment den Rest vom Hund an: Ist er locker und wackelig oder steif und dreht den Kopf weg? Meistens reicht ein kurzer Blick, um das zu erkennen.
Gähnen, über die Nase lecken oder Blinzeln – warum übersehen wir gerade diese leisen Signale?
Je nach Situation können diese Gesten auf Stress, Unsicherheit, innere Anspannung oder Konfliktvermeidung hinweisen. Manchmal sind sie aber auch harmlos, etwa nach dem Schlafen oder Fressen. Es hilft, immer den ganzen Hund und die Situation zu betrachten!
Schnauben – der Hund pustet kräftig durch die Nase. Was bedeutet das?
Da fällt gerade die Anspannung ab! Der Hund versucht, sich wieder zu beruhigen. Das Schnauben passiert nicht zufällig, sondern folgt auf eine anstrengende oder stressige Situation.
Du kommst heim, der Teppich ist zerfetzt und dein Hund schaut dich schuldbewusst an. Was läuft da wirklich ab?
Der Hund reagiert auf deine Körpersprache und Stimmung und versucht, den sozialen Konflikt zu entschärfen. Er fühlt sich nicht wirklich schuldig, sondern möchte dem Streit aus dem Weg gehen.
"Der macht das mit Absicht." Diesen Satz hört man ständig. Was sagt Recker dazu?
Hunde handeln nicht aus Trotz oder Rache. Sie tun, was sich für sie lohnt oder interessant ist. Menschliche Gefühle lassen sich nicht einfach auf Hunde übertragen.