"Abends keine Kohlenhydrate" – diese Regel hält sich seit Jahren hartnäckig. Egal ob Low-Carb-Diät oder vermeintlicher Abnehm-Hack: Viele glauben, dass Brot, Pasta und Co. am Abend direkt auf den Hüften landen.
Die Idee dahinter basiert vor allem auf dem Hormon Insulin. Immer wenn du Kohlenhydrate isst, steigt dein Blutzucker – und dein Körper schüttet Insulin aus, um den Zucker in die Zellen zu transportieren. Die Theorie: Weniger Kohlenhydrate bedeuten weniger Insulin und damit weniger Fettaufbau.
Das Problem dabei: Dieser Mechanismus funktioniert unabhängig von der Tageszeit. Dein Körper unterscheidet nicht zwischen morgens und abends, sondern reagiert immer gleich.
Ob du abnimmst oder zunimmst, hängt in erster Linie von deiner gesamten Kalorienbilanz ab – nicht davon, wann du Kohlenhydrate isst. Eine Portion Pasta hat abends genauso viele Kalorien wie mittags. Du kannst also auch abends Kohlenhydrate essen und trotzdem erfolgreich abnehmen, solange du insgesamt im Kaloriendefizit bleibst.
Es gibt sogar Hinweise darauf, dass Kohlenhydrate am Abend positiv wirken können. Eine Studie aus dem Fachjournal "Nutrients" zeigt: Personen, die abends kohlenhydratreich essen, schlafen schneller ein und haben eine längere REM-Phase. Die Schlafprobleme entstehen meist durch andere Faktoren wie Alkohol oder sehr fettiges Essen.
Wer nach der Arbeit noch ins Fitnessstudio geht oder laufen war, sollte beim anschließenden Abendessen die Kohlenhydrate nicht weglassen. Denn eine gute Mahlzeit nach dem Training füllt deine leeren Glykogenspeicher wieder auf und versorgt deine Zellen mit neuer Energie. Die Kombination aus Eiweiß und Carbs sorgt für optimale Regeneration.
Nicht alle Kohlenhydrate sind gleich. Setze möglichst auf komplexe Kohlenhydrate wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse oder Haferflocken. Diese liefern wertvolle Ballaststoffe, halten dich länger satt und sorgen für einen stabilen Blutzuckerspiegel. Weniger sinnvoll sind stark verarbeitete Produkte wie Weißbrot, Süßigkeiten oder Softdrinks.