Der ORF steht vor einem möglichen großen Umbau. Ab Donnerstag beraten rund 200 Teilnehmer im Kultur- und Medienministerium zwei Tage lang darüber, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk künftig aufgestellt werden soll.
Beim sogenannten "Zukunftsforum" stehen unter anderem Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, neue Strukturen, mögliche Finanzierungsmodelle und Kooperationen auf dem Programm. Ziel ist es, Grundlagen für eine größere ORF-Reform zu erarbeiten.
Eröffnet wird das Forum von Medienminister und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) unter dem Motto: "Offen. Relevant. Für alle.". Die "klügsten Köpfe" mit möglichst vielen verschiedenen Perspektiven wurden eingeladen, um den ORF zu rüsten, denn "die Demokratie lebt nicht davon, dass alle einer Meinung sind", so Babler in seiner Eröffnungsrede.
Die scheidende ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher spricht von einem bewegten Jahr für den öffentlichen Rundfunk und betont, dass die Reform im Sinne des Publikums sein muss. "Der ORF ist ein fester Bestandteil vieler Menschen und ein unverzichtbarer Teil von Österreich", so Thurnher.
Sowohl Babler als auch Thurnher betonten die Wichtigkeit einer Zusammenarbeit zwischen dem ORF und privaten Medien im Kampf gegen soziale Plattformen. Es brauche laut Babler sowohl einen starken öffentlichen Rundfunk als auch starke private Medien, um gegen Falschinformation und Hetze vorzugehen. "TikTok macht nämlich keine Hochrechnung an Wahltagen und Instagram berichtet nicht von den Salzburger Festspielen und stellt kritische Fragen", schließt Thurnher daran an.
Insgesamt sollen rund 200 Personen Ideen für die Zukunft des ORF entwickeln. Nach Angaben des Medienministeriums soll der Sender "schlanker, digitaler, transparenter, bürgernäher, regionaler und nachhaltiger" werden. Nicht eingeladen wurde laut vorliegenden Informationen der Betriebsrat.
Für Diskussionen dürfte auch die Zusammensetzung der Teilnehmer sorgen. ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick spricht im Panel "Ein ORF für alle? Perspektiven aus Unterhaltung, Kunst, Kultur und Sport". Mit ihm diskutieren unter anderem Kletter-Weltmeister Jakob Schubert und Kabarettistin Marina Lackovic alias Malarina.
Am Freitag werden die Ergebnisse aus fünf Arbeitsgruppen präsentiert. Danach hält der designierte Generaldirektor Clemens Pig einen 25-minütigen Vortrag zum Thema "Ein ORF, dem Österreich vertraut". Den Abschluss mit Fazit und Ausblick übernimmt erneut Babler.
Der ORF hat bereits vor Beginn des Forums eigene "strategische Leitlinien" formuliert. Ein zentraler Punkt ist die "Stärkung der finanziellen Zukunftsfähigkeit" des Unternehmens.
Die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks müsse demnach "angemessen, nachhaltig und vorhersehbar" sein. In dem Papier heißt es: "Wer die unabhängige Finanzierung des ORF und seiner Ausgaben absichert, stärkt eine wichtige Institution der demografischen Öffentlichkeit und trägt zum Erhalt der offenen Gesellschaft bei."
Damit stellt sich der ORF gegen eine finanzielle Schwächung des Unternehmens. Die Haushaltsabgabe bringt dem Sender mehr als 700 Millionen Euro pro Jahr. Zuletzt wurde sogar über eine mögliche Erhöhung der derzeit bis 2029 eingefrorenen Abgabe diskutiert.
Für zusätzlichen politischen Zündstoff sorgt ein Positionspapier der ÖVP. Die Volkspartei fordert mittlerweile ebenso wie die FPÖ die Abschaffung der ORF-Haushaltsabgabe. An ihre Stelle soll laut ÖVP eine "stabile, langfristige und angemessene, aber beitragsmäßig entsprechend angepasste budgetfinanzierte Lösung" treten.
Damit dürfte neben der künftigen Struktur des ORF vor allem dessen Finanzierung zu einem der zentralen Streitpunkte der anstehenden Reform werden.