Es war keine Notwehr

Bericht zu Todesschüssen bringt Trump unter Druck

Ein erster Untersuchungsbericht zur Tötung von Alex Pretti durch ICE-Beamte in Minneapolis widerspricht den bisherigen Behauptungen der Regierung.
Nick Wolfinger
28.01.2026, 11:06
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Der Bericht sorgt für Wirbel in der US-Politik. Besonders die Regierung von Präsident Donald Trump gerät dadurch ordentlich ins Schwitzen.

Im vorläufigen Untersuchungsbericht der Grenzschutzbehörde CBP, das per E-Mail an US-Abgeordnete verschickt wurde, steht nichts davon, dass Pretti nach einer Waffe gegriffen hätte, wie "20 Minuten" berichtet.

Zwei Beamte feuerten auf Pretti

Schon kurz nach dem Vorfall am Samstag in der US-Großstadt Minneapolis (Minnesota) hatte Heimatschutzministerin Kristi Noem von legitimer Selbstverteidigung gesprochen. Ihrer Darstellung nach soll Pretti die Einsatzkräfte mit einer Waffe bedroht haben. Doch die Videos vom Einsatz zeigen ein anderes Bild – das sich auch mit den Aufnahmen der Körperkameras der Beamten deckt.

Pretti war zum Ziel der Beamten geworden, als er sich mit einer Handykamera in der Hand schützend vor eine Frau gestellt hatte, die zuvor von den Beamten zu Boden geschubst worden war. In der Folge stürzten sich mehrere Beamte auf Pretti und brachten ihn, auch unter Einsatz von Pfefferspray, gewaltsam zu Boden.

"Er hat eine Waffe!"

Laut dem Bericht rief ein Grenzschutzbeamter während des Gerangels plötzlich mehrfach "He's got a gun!" ("Er hat eine Waffe!"). Etwa fünf Sekunden später, nachdem einer der Beamten Pretti die Waffe aus seinem Holster abgenommen hat und damit weggelaufen ist, schoss ein Grenzschutzbeamter auf Pretti, danach auch ein CBP-Beamter. Beide Einheiten sind dem von Kristi Noem geführten Heimatschutzministerium unterstellt.

Zehn Schüsse in den Rücken

Eine Videoanalyse der New York Times kam zu dem Schluss, dass sechs der zehn Schüsse Pretti trafen, als er bereits regungslos am Boden lag.

Das bringt nun Kristi Noem, aber auch Trumps Vizestabschef Stephen Miller, der Pretti zuvor als "inländischen Terroristen" bezeichnet hatte, unter Druck. Gegenüber CNN äußerte sich Miller nun plötzlich ganz anders. Er verwies darauf, dass nun geprüft werde, ob sich die Beamten bei der Abgabe der Schüsse an die Einsatzregeln gehalten hätten.

Waffenlobby ist verstimmt

Sogar die mächtige Waffenlobby NRA, die traditionell den Republikanern nahe steht, ist verstimmt. Denn die Regierungsvertreter erklärten mehrfach, Pretti hätte keine Waffe tragen sollen und unterstellten ihm damit, selbst an seinem Tod Schuld zu sein. Trump selbst sagte nach dem Vorfall: "Er hatte eine Waffe. Das gefällt mir nicht. Du kannst nicht mit einer Waffe hineingehen".

Dabei hatte Pretti laut Polizeiangaben das Recht dazu, eine Waffe mit sich zu führen. Die Waffenlobby NRA vertritt seit jeher die Position, dass jeder US-Bürger das Recht dazu habe, eine Waffe zu tragen.

Trauernde gedenken Pretti nach dessen Tötung am Tatort.
Reuters

Zwei Todesfälle in drei Wochen

Keine drei Wochen davor hatte es bereits einen ähnlichen Vorfall gegeben: Ein ICE-Beamter erschoss in Minneapolis die US-Bürgerin Renée Good in ihrem Auto. Damals behaupteten Regierungsvertreter, die Frau hätte versucht, ihr Auto als eine Waffe einzusetzen, um Beamte zu überfahren.

Videos des Vorfalls zeigen jedoch, dass Good gerade dabei war, den Wagen zu wenden, um sich vom Einsatzort zu entfernen, als sich ein Beamter vor ihr Auto stellte und ihr mehrfach ins Gesicht schoss.

{title && {title} } NW, {title && {title} } Akt. 28.01.2026, 12:05, 28.01.2026, 11:06
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