Nach der Versenkung eines iranischen Kriegsschiffs im Indischen Ozean mit zahlreichen Todesopfern verschärft sich der Ton zwischen Teheran und Washington weiter. Irans Außenminister Abbas Araghtschi drohte den USA am Donnerstag mit Konsequenzen.
Die iranische Fregatte "Iris Dena" sei "ohne Vorwarnung in internationalen Gewässern" von den USA angegriffen worden, schrieb Araghtschi im Onlinedienst X. "Die USA werden diesen Präzedenzfall bitter bereuen."
Der Minister sprach von einer schweren Tat auf See. Die USA hätten "2000 Meilen vor der iranischen Küste eine Gräueltat auf See begangen", fügte Araghtschi hinzu. Nach iranischen Angaben sei das Schiff zum Zeitpunkt des Angriffs "Gast der indischen Marine" gewesen.
Die Fregatte war am Mittwoch vor der Küste Sri Lankas gesunken. Laut Polizei wurden bisher mehr als 80 Leichen von Besatzungsmitgliedern geborgen, rund 60 Menschen werden weiterhin vermisst.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bestätigte am Mittwoch, dass das Schiff von den USA "von einem Torpedo" versenkt worden sei. Laut Pentagon gehört die Zerstörung der iranischen Marine zu den Zielen des US-israelischen Kriegs gegen den Iran.
Nach Angaben des srilankischen Außenministers Vijitha Herath setzte das Kriegsschiff am frühen Mittwochmorgen etwa 40 Kilometer südlich der Küste Sri Lankas einen Notruf ab. Als Rettungsboote eintrafen, sei die Fregatte bereits vollständig gesunken gewesen – zu sehen sei nur noch eine Ölspur gewesen. Besatzungsmitglieder berichteten demnach von einer Explosion. Zuvor hatte das Schiff an einer Militärübung im ostindischen Hafen Visakhapatnam teilgenommen.
Unterdessen steuert ein zweites iranisches Kriegsschiff auf Sri Lanka zu. Laut Regierung befindet es sich derzeit noch außerhalb der Hoheitsgewässer des Inselstaats. Präsident Anura Kumara Dissanayake will über eine iranische Anfrage beraten, dem Schiff die Einfahrt in srilankische Gewässer zu erlauben.
Nach Angaben aus Sri Lanka befinden sich mehr als hundert Besatzungsmitglieder an Bord. Es bestehe die Sorge, dass auch dieses Schiff Ziel eines Angriffs werden könnte – wie zuvor die "Iris Dena".
Die USA und Israel hatten nach wochenlangen Drohungen am Samstag einen Großangriff auf den Iran gestartet. Dabei wurden der oberste Führer des Landes, Ayatollah Ali Chamenei, sowie weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Seitdem greift der Iran Israel, mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Golfregion an.
Sri Lanka hat sich seit Beginn des Krieges neutral positioniert und zu Dialog aufgerufen. Der Iran ist zugleich ein wichtiger Abnehmer von Tee aus Sri Lanka, dem wichtigsten Exportgut des Landes.