Das Dienstagabendprogramm im ORF stand ganz im Zeichen des einjährigen Jubiläums der Bundesregierung. Um 20.15 Uhr gaben die Parteichefs von ÖVP, SPÖ und NEOS ein ausführliches, rund einstündiges Interview, in dem sie zu aktuellen Herausforderungen und künftigen Plänen Stellung bezogen – "Heute" berichtete.
Um 22 Uhr wurde traditionell die "ZIB2" ausgestrahlt, diesmal aber mit einem besonderen Gast: FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl. Der Freiheitliche erschien erstmals seit seinem Sommergespräch am 8. September im ORF-Studio. Laut Armin Wolf habe der FP-Chef in den letzten Jahren mehr als 50 ZIB-Einladungen abgelehnt, Kickls Auftritt wurde daher mit besonderer Spannung erwartet.
Erwartungsgemäß kritisch zeigte er sich gegenüber der Regierungsperformance. "Der Wählerwille war ganz klar: Eine große Veränderung in Österreich herbeizuführen, ich bezeichne das gerne als Systemwechsel." Dieser Wille habe der ÖVP nichts bedeutet und die Folge sei, dass "das Land eine Talfahrt hinnimmt, wie wir es jetzt erleben müssen", so Kickl.
Am Mittwoch reagierte ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti auf die Aussagen des FP-Chefs. "Herbert Kickl ist und bleibt der Aasgeier der österreichischen Innenpolitik. Alles Negative ist sein Lebenselixier. Seriöse Wirtschaftsdaten werden ganz einfach angezweifelt, wenn sie zu positiv sind", kritisierte der VP-General.
Marchetti weiter: "Bundeskanzler Christian Stocker hat Verantwortung übernommen und tut mit dem Regierungsteam der Volkspartei seit einem Jahr das Richtige für Österreich. Der gescheiterte 'Volkskanzler' Kickl hingegen hat die Erfüllung seines politischen Daseins als Flüchtling vor politischer Verantwortung und Phantom auf der Oppositionsbank gefunden. Der Will-nicht-Kanzler Kickl hat letzten Endes nicht verstanden, worauf es wirklich ankommt."
Ähnlich scharf war die Reaktion von SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim. "Es ist gut, dass sich Kickl wieder einmal in die 'ZiB 2' getraut hat. Denn da haben alle gesehen, dass Chaos-Kickl keine Lösungen für Österreich hat, sondern alles schlechtredet, hetzt und spaltet und damit Österreich schadet."
Die FPÖ stehe "immer auf der falschen Seite", behauptete Seltenheim. "Mit der FPÖ ist kein Staat zu machen. Im Gegensatz zur FPÖ macht die SPÖ Österreich jeden Tag besser und sorgt für Ordnung und Gerechtigkeit."